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Sou Herr_Paulsen de Hamburgo. Sou Qyper desde 07-01-2007

"Los jetzt! Wir könnten morgen von einem Bus überfahren werden!"

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Fillet of Soul - Klostertor

Deichtorstraße 2, 20095 Hamburg

03-08-2011

„Rotwein können wir nicht.“ seufzte mein Lieblingsweinhändler neulich resigniert, über ein Glas mit deutschem Spätburgunder von wässriger Farbe und schwer süßlichem Schwänzchen gebeugt: „aber unsere Weißweine sind unerreicht, Weltklasse!“. Persönlich gebe ich den deutschen Rotwein noch nicht so schnell auf, den zweiten Teil der steilen These meines Weinberaters durfte ich mir gestern eindrucksvoll auf der Zunge zergehen lassen.

Das Informationsbüro Frankenwein hatte im Rahmen des Hamburger Schlemmersommers 2011 zum Frankenwein-Menü ins Fillet of Soul geladen, einem von insgesamt fünf Hamburger Restaurants die noch bis zum 15. August 2011 eine dreigängige kulinarische Reise durchs Weinland Franken anbieten.

Es ist tatsächlich Sommer in Hamburg an diesem Abend, wir nehmen auf der Terrasse des Restaurants Platz, der freundliche Service bringt mit Rosmarin aromatisiertes Olivenöl, grobes Salz und ein dichtes, duftendes Kräuterbrot aus eigener Herstellung. Als Gruß der Küche wird ein holzofengebackenes Brot mit Leberwurst und Essigurkenwürfeln gereicht, ich mag ja derartig rustikal Auftritt sehr und es schmeckt!

Der erste Bocksbeutel wird aufgeschraubt, ein 2010 MundART Müller-Thurgau Kabinett trocken vom Weingut Geiger & Söhne. Was für ein prächtiger mundvoll Wein! Holunderblüten umranken duftende Aprikosen, knackig frisch und sonnengelb funkelt der Wein im Glas, ein gehaltvolles Leichtgewicht. Perfekt dazu die Vorspeise aus der Fillet of Soul Küchen.

Warmer hausgeräucherter Lachs auf kalter Kartoffel-Buttermilchcreme mit Brunnenkresse, Orangenessig und frischem Meerrettich. Der Lachs ist butterzart und auf den Punkt geraucht. Ein Kunststück, dass nicht in allen Küchen gelingt, es ist ein schmaler Grat zwischen feiner Rauchnote und kaltem Aschenbecher. Der Kartoffel-Buttermilchstampf erdet das Gericht, verbindet die Schärfe der Brunnenkresse und des Meerrettichs mit der süßen frische der fruchtigen Orangentunke. Das Gericht spiegelt sich passgenau im Glas.

Der für uns zuständige Servicemitarbeiter ist kein Sommelier, mehr als Name, Jahrgang und Rebsorte der Weine sind ihm nicht zu entlocken. Und da macht überhaupt nichts. Charmanter und freundlicher, mit maximaler Aufmerksamkeit und einem ungekünsteltem Interesse am Wohle des Gastes, wurden wir selten bedient. Und die Weine sprechen für sich.

Zum Hauptgang habe ich Fisch gewählt. Zur Dorade mit butterzarten Ricotta-Gnocchi, geschmolzenen Tomaten, ligurischen Oliven und mariniertem Babyspinat schmeckt ein 2009 FRANCONIA Nordheimer Vögelein Kerner Kabinett, Divino Nordheim, ein eleganter Wein mit Noten von gelben Früchten und Holderblüten, dabei aber nicht blumig sondern feinwürzig, im Hintergrund winkt ein Thymianzweig. Das passt zur Dorade, der Wein kann es sogar mit den kräftigen ligurischen Oliven aufnehmen und sogar die Himbeer-Essig-Sirup-Kleckerei am Tellerrand macht zusammen mit dem Wein genossen Sinn. Die Liebste bekommt zu den gleichen Beilagen ein gegrilltes Flanksteak im Schinken-Mantel und Letzteren hätte es wirklich nicht gebraucht. Das ist keinesfalls als Kritik zu verstehen sondern dient ausschließlich dem Lob des Fleisches.

Das eher selten angebotene Sonderstück, „Rinderlappen“ (Dünnung, Flanke, frz.:Bavette) aus dem hinteren Bauchbereich wurde mit Niedrigtemperatur gegart, ist butterzart, dabei dennoch fest im Biss und, vom Schinken befreit, auch solo eine hocharomatische Angelegenheit. Dazu schmeckt der mineralisch kräftige 2010 Edition VALENTIN Weißburgunder QbA trocken vom Winzer Sommerach.

Desserts finde ich ja allgemein überschätzt. Und bei diesem hier blieb ich, ehrlich gesagt, bei Besinnung. Der Käsekuchen gewöhnlich, der Rhabarber im Rhabarberragout noch hart, das angekündigte und sehnsüchtig erwartete Joghurt-Waldmeister-Eis war dann ein, immerhin sehr gutes Nougat-Eis.

Dieser einzige Ausrutscher an einem ansonsten perfektem Abend mag freundlich dem immer wieder festgestellten Umstand geschuldet sein, dass wirklich gute Köche keine Desserts können. Von äußerst befriedender Wirkung die dazu gereichte 2009 Escherndorfer Fürstenberg Silvaner Beerenauslese, vom Bocksbeutelhof Escherndorf. Eine anbetungswürdige Beerenauslese von raffinierte Süße und Vielschichtigkeit. Dazu ein Stück Käse! Oder eine schöne Pâté! Ich sags ja, ich habs nicht so mit Desserts.

Das Menü kostet unschlagbare 59 Euro für zwei Personen, inklusive der großzügig ausgeschenkten Weine. Noch bis zum 15. August 2011 können Sie nachschmecken, im Fillet of Soul wird das ganze Jahr gut gekocht.

Malte Klauck @sidi: Hier wird gekocht! http://www.effilee.de

sidifferent Danke, malte

Redhot - Maxvorstadt

Amalienstrasse 89, Amalienpassage/Türkenhof, 80799 München

13-06-2011

Der Name „REDHOT“ und die Angebotsbeschreibung „Long Drinks & Short Ribs“ ließen mich, ehrlich gesagt, kurz zweifeln. Würde mich meine alter Freund Sir Peter tatsächlich in ein American-Diner ausführen? Das REDHOT ist hinterhöfisch gelegen, im Erdgeschoss eines in die Jahre gekommenen Neubaus, im Inneren präsentiert sich das Restaurant als eine interessante Mischung aus unkompliziertem Waschbeton-Wintergarten, sachlichem Design mit Mustertapete und 30er Jahre Bar. Der Service dutzt uns sofort und ich habe Schwierigkeiten mit diese Art vermeintlich lässig wirkender Vertraulichkeit – es sah für einen kurzen Moment nicht nach dem Beginn einer neuen, innigen Freundschaft aus.

Dann bemerkte ich ein paar Kleinigkeiten. Die wunderschönen alten Diner-Tische. Die frisch gestärkten Stoffservietten neben dem Papierserviettenspender (Humor!). Silberbesteck. Der Barkeeper trägt die gebügelte, klassische Bar-Uniform, weißes Hemd, weiße Weste, weiße Fliege, auf dem Plattenspieler (!) dreht sich schwarzer New Orleans Funk aus dem 70ern. Auf allen Tischen elegante Weingläser, Eiswürfel funkeln in bauchigen Cocktailgläsern. Kaum jemand hier trinkt Bier zum wunderbar übersichtlichen Speisenangebot, dass einem die Wahl dennoch schwer macht, eigentlich hätte ich gerne einmal alles.

Den Schwerpunkt der Karte bilden die butterzarten Rippchen, die es hier als „Maple Old School“ mit Cole Slaw gibt, als „Red Hot Rib Sandwich“, als „Short Rib on Rye Sandwich“ und „Slowly braised Short Ribs mit Mash und Veggies“. Fleisch ist hier gerne mal das Gemüse, es gibt Bayerisches Jungbullenfilet und Dry Age Roatsbeef mit Schmorzwiebeln und es gibt so schöne Sachen wie : einen Speckteller, Rollmops und “Sprotten mit Roter Bete und Zwiebeln”. Es gibt einen „Daily Veggie Salad“ und „Veggie Sandwich mit Avocad und Cream Cheese” oder “Käse mit Chutney”, lauter Sehnsuchtsessen.

Am Nebentisch feiern Theater- und Film-Menschen, ein bekannter deutscher Regisseur beweist Fachkenntnis bei der Auswahl der ungezählten Flaschen im Gläserwald. Nur wir sitzen hier noch immer beim Apéro-Bier und ich kann die Weinkarte nicht finden. Gibt auch keine, weiß der Chef des Hauses: „da basteln wir gerade dran, wir haben erst seit neun Wochen auf, sagt doch einfach was ihr trinken wollt?“ Es folgt eine sehr schöne Weinberatung, das anfangs störende Gedutze wandelt sich zur freundlichen Begegnung auf Augenhöhe, wir fühlen uns wohl. Neun Wochen erst offen. Und wer hat es schon gewusst? Das Künstlervolk am Nebentisch. Und mein Sir Peter, er lebe hoch!

Die Rippchen zeigen wie großes Handwerk zur Kunstfertigkeit werden kann: zwar fällt das Fleisch ordnungsgemäß vom Knochen, ist aber nicht zergart, hat noch „Fleisch-Biss“ – es sind schlicht perfekte Rippchen. Da waren sie wieder, die „Kleinigkeiten von großer Bedeutung“, von denen Eckart Witzigmann neulich im Effilee-Magazin sprach, jene Kleinigkeiten, die aus einem Essen ein Ereignis machen. Der hausgemachte Coleslaw, ebenso perfekt, frisch und knackig, kühl serviert. Und dann der Mash! Buttrig duftende Stampfkartoffeln mit Möhrenstückchen, einfach gut, einfach sehr gut. Sir Peters Dry Aged Roatsbeef ist perfekt gegrillt und der empfohlene Wein dazu der dritte Mann am Tisch: eine Flasche Il Feuduccio, Montepulciano d´Abruzzo für bekömmliche 24 Euro.

Wer hat sich diesen Wahnsinnsladen ausgedacht? Die Betreiber Ulf Drögl und Conrad Baierle legen größten Wert auf beste Produkte und sind vom Fach: Baierle ist Metzgermeister, Küchenmeister Drögl hat bei Karl Ederer gekocht, in der Sansibar auf Sylt, bei “Walter und Benjamin” und in Schuhmann´s Bar. Das schmeckt man. Gemeinsam entwickelten sie ihre Idee eines Chop House im Stil der 30er Jahre und veranstalten dort, was meiner Meinung nach die Zukunft ist: unprätentiöse Küche, auf Basis bester Produkte, auf den Punkt serviert. Perfektion durch Reduktion und die Konzentration auf höchste Qualität. Ein freundlicher Service und ein Rahmen, der aus einem Restaurantbesuch eine ganzen, schönen Abend macht. Zum Wohle des Gastes.

Wir wollen noch nicht los, die Stimmung ist angenehm entspannt und fröhlich, die Musikauswahl großartig: alter Swing, ein paar Takte Blues, dicker Funk und perlender Jazz, da begeben wir uns gerne noch in die Hände von Barkeeper Tibor Kantor. Auch an der Bar das Prinzip „Qualität durch Konzentration“, es sind wenige Klassiker im Angebot, die werden aber mit Präzision und sehr gutem Eis gemixt. Wir nehmen zwei fabelhafte Old Fashioned und bleiben einfach sitzen.

zeckerlrund Oh, das klingt so ganz nach meinem Laden! Danke für diesen wunderbaren Bericht.

sidifferent Wäre das was für unser nächstes Treffen, ottogang ? Klingt echt lecker !

The Lexington - Kings Cross

96-98 Pentonville Road, London WC1X 9EH

24-10-2010

Es war Liebe auf den ersten Blick. The Lexington ist ein in die Jahre gekommenes Schmuckstück in dem es sich gepflegt Nachtschicht halten lässt. The Lexington ist Club, Bar und Bühne in einem. Meterhohe Wände lassen Platz für Gedanken, verschwiegene Samtvorhänge lauschen den Gesprächen der Trinker, ein entspanntes Publikum dass sich nicht festlegen lässt, versammelt unter Kronleuchtern und Tiergeweihen.

Zur Hangover Sunday Lounge spielt der DJ große Stromgitarren, Punkrock, alten Swing, Rockabilly, die guten Achtziger, Countrymusic. Wenn selbst der DJ schläft, bedienen die Gäste die Musikbox, hier leben Brian Ferry, The Residents, die Violent Femmes, Johnny Cash, Devo… „we got a whole lotta strange stuff in it“, sagt die Lexington Chefin lachend. Die Jukebox kostet nichts.

Meterlang die große Bar, meterlang die beeindruckende Bandbreite an amerikanischem Whiskey auf den man sich hier spezialisiert hat. Wortkarge, schöne junge Frauen und Männer servieren hier beiläufig das Gewünschte.

Ich habe mich verliebt in das Lexington. Nur zwei Nächte hatten wir. Würde ich in London leben, ich wäre dort zu finden.

Tayyabs - Whitechapel

83-89 Fieldgate St., Tower Hamlets, London E1 1JU

24-10-2010

Der Laden ist riesig. Angefangen hat alles vor über 30 Jahren, Londons erstes Pakistani-Restaurant war bei Eröffnung eine kleine Garküche für heimwehkranke Auswanderer. Heute hat Tayyabs 300 Sitzplätze auf zwei Stockwerken, die mehrfach am Tag besetzt werden, alleine in der Abendschicht bis zu dreimal, hier speisen täglich über 1200 Gäste. Schon am Vormittag stehen die Menschen Schlange für einen Mittagstisch, 1 Tonne Lammkoteletts gehen hier pro Woche über den Tisch, das Haus genießt einen ausgezeichneten Ruf.

Die mitgebrachten Weine werden entkorkt, das Tayyabs hat keine Alkohol-Lizens, rundum wird eingeschenkt und ausgeschenkt. Kachelboden, Backsteinwände, grünes Diskolicht, ein technicolor-beleutetes Riesenaquarium das nur von stetig aufsteigenden Luftblasen bewohnt wird, blubbert lautlos vor sich hin. Aus den Boxen tönt seufzende Bollywood-Filmmusik im Wechsel mit hammerhartem, indischem Kirmes-Techno. Es ist sehr laut. Die Gäste brüllen sich an, die Kellner schreien rum. Der Laden ist eine Erfahrung!

Zu Essen gibt es auch was. Rauchende Eisenpfannen mit Bergen von Fleisch werden aufgetragen, Lammkoteletts, Hähnchenfrikadellen und feine Lammhackspieße, es duftet mouthwatering. Die dramaturgisch sehr interessante Rauchentwicklung und den Duft verdanken die Gäste einem schlauen Einfall der Küchencrew: unter dem Fleischberg, direkt auf den Boden der glühend heißen Pfannen wurden Zwiebestreifen gestreut, die dort effektvoll verbrennen.

Die Lammkoteletts sind unterschiedlicher Prägung, zwischen zäh wie Leder bis saftig-zart ist alles dabei, sie schmecken überwiegend nach Tandoori-Gewürz, warum die Leute sich dafür anstellen ist mir rätselhaft. Für die übrigen Fleischspeizialitäten hingegen würde ich mich sofort anstellen. Saftig, würzig, aromatisch!

Das Fischfilet aus dem Tandoori-Ofen hat es leider auch nicht überlebt, die Gemüsegänge und das typisch pakistanisch, trocken geschmorte Fleischcurry, sind dagegen wieder eine würzige Wucht. Zarte, geräucherte Mini-Auberginen auf Möhren-Kartoffelcurry, cremiges Dal Linsengemüse und scharfes Gurken-Kürnis-Curry und eben Dry Meat, schwarz geschmortes zartes Lammfleisch begründen dann doch den donnerhalligen Ruf des Hauses. Spitze!

Vor dem Dessert (mit bunter Sahne und Glitzerstreuseln verzierte Muffins), läd uns Wasim Tayyab zur Küchenbesichtigung. Wir staunen. 1200 Gäste täglich werden bekocht aus einer winzigen Zweiraumküche, sechs Köche arbeiten bei Sauna-Temperaturen an zwei langen Grills, einem Herd und dem Tandoor-Ofen. Die Hitze ist gewaltig, die Kohle knistert, flammen erhellen die verschwitzten Gesichter der Köche.

Für das mehrgängige Menü mit Wasser werden pro Nase umgerechnet knappe 12 Euro fällig.

St. John Bread & Wine - City of London

94-96 Commercial Street, London E1 6LZ

20-10-2010

Fergus Henderson, der große Star, Autodidakt und Erneuerer der Britischen Hochküche, hat nicht nur die stammhauseigene Bäckerei ausgelagert, das St.John Bread & Wine gegenüber dem Spitalfields Market ist sein zweites Restaurant. Die hübschen T-Shirts mit Schweine-Illustration, die ich aus dem Internet kenne, gibt es hier nicht, auch signierte Ausgaben der Kochbücher des Meisters, „Nose to Tail Eating: A Kind of British Cooking“ und „Beyond Nose To Tail“, sind nicht vorrätig. Dafür können französische Weine, hausgemachte Marmeladen, frisches Brot und süße Backwaren erstanden werden. Und wenn wir wollen gibt es auch noch einen Tisch für uns. Heute Abend. Wir wollen. Und wie.

Später erfahre ich, dass sich das schon 2003 eröffnete St. John Bread & Wine unter Kulinarikern größter Beliebtheit erfreut, es gleicht dem Stammhaus im Stil, ist weniger formel und nicht schon Wochen im Voraus ausgebucht. Auch die Speisekarten ähneln einander, tragen beide deutlich des Meisters Handschrift, im Mutterhaus St. John Bar & Restaurant Smithfield finden sich lediglich ein paar Hauptgänge mehr auf der Karte.

Schnell füllen sich die Holztische im weiß gekachelten und warm beleuchteten Raum, ein gute gelauntes und, wie überall in Londoner Restaurants, überraschend junges Publikum freut sich mit uns auf einen schönen Abend. Die ca. 80 Sitzplätze sind größtenteils doppelt belegt, wir sind erste Runde, 18.30 Uhr dazu der Hinweis, eventuell später an die Bar-Boards entlang der Wand umziehen zu müssen. Da wir erst vor drei Stunden reserviert haben sind wir sehr einverstanden.

Wir entscheiden uns für acht der 16 Vorspeisen. Wo wir schon mal hier sind. Wir wollen alle Teller teilen, kaum eines der Gerichte kostet mehr als 7 Pfund (also knapp 8 Euro), im Schnitt also 4 Euro pro Nase. Unheimlich.

Wir starten mit Cauliflower, Leeks & Butter Beans und es ist dies eines der absoluten Höhepunkte des noch jungen Abends: ein Salat von kleinen, rohen (!) und dementsprechend knackigen, aromatisch-scharfen Blumenkohlröschen, kombiniert mit weichen Riesenbohnen, scharfem Lauch, würzigen NonPareilles Kapern und einer leichten Mayonnaise die die Geschmäcker und Texturen freundlich zusammen führt. Eine großartige Komposition. Nur vermeintlich schlicht. „Il faut le faire!“, sprach Eckart Witzigmann neulich klug in eine Fernsehkamera: das muss man erstmal machen, da muss man erstmal drauf kommen.

Mussels & Laverbread das sind Miesmuscheln aus Colchester in Essex, butterzarte, gelbe Miesmuscheln in einem feinwürzigen Algen (Laverbread)-Sud. Alles ist hier wenig gesalzen und kein Salzkorn zu wenig. Die aussergewöhnliche Zartheit der Muscheln ist mir ein köstliches Rätsel. Mir ist klar, dass man Muscheln zu Gummi kochen kann, ein wenig Hitze brauchen sie aber schon, diese hier wirken wie Niedrigtemperatur gegart und lösen sich im Mund in Wohlgefallen auf.

Die herzliche Sommelière hat uns für die ersten Gerichte einen Weißwein aus der Weinkarte empfohlen, die ausschließlich französische Gewächse listet. Wir genießen einen 2008er La Grange Aux Belles Anjou blanc ‘FRAGILE’, von der Loire, funkelnd, mit einem Duft von rohen, geschälten Mandeln, leicht rauchig, mit viel Apfel und Pfirsich.

Der passt auch zum Foie Gras & Duck Liver Toast, eine dicke Scheibe hausgebackenes, Bauernbrot mit Knusperkruste, streifig geröstet und warm mit schmelzender Paté von Entenleber und Foie Gras bestrichen, mit Fleur Du Sel bestreut. Reich, warm, cremig, buttrig, gerreicht mit winzigen Cornichons die deutlich saure Akzente setzen. Die Perfektion des Einfachen.

Beetroot Tops & Ticklemore, das sind im Buttersud geschmorte, süße Rote Bete Blätter, kontrastiert von hauchdünnen, rohen Gelber Bete-Scheiben, die mit Essig gesäuert wurden, darüber zwei dünnne Streifen junger Ticklemore-Käse, ein milder, milchweißer Ziegenkäse.

Junge Kellner mit gepflegten Vollbärten und Surfer-Frisuren servieren in Windeseile das Bestellte, freundlich, charmant, auf Augenhöhe, lässige Jungs! Teller werden nur im Notfall oder auf Anfrage ausgewechselt, geleerte Weinflaschen bleiben erstmal als Erinnerung auf dem Tisch stehen, mich stört das irgendwie heute nicht, es unterstreicht den Abendessen-Charakter des Essens und passt zur lockeren, lärmigen Atmosphäre.

Alle Kellner sind in weiße Kochjacken gehüllt und Anfangs war ich ein bißchen in Sorge, ob der Service das Bestellte in der offenen Küche auch noch selbst zubereiten muss, doch unser Waiter beruhigte uns, die Kochjacken für die Servicemitarbeiter seien eine Idee von Fergus Henderson: „it means: its all about the food!“

Der Rotwein wir entkorkt, ein 2008er Chateau de Lascaux, J.B. Cavalier, Pic Saint Loup aus dem Languedoc und bis auf Weiteres mein neuer Lieblingsroter: schwarzpfeffrig-beerig mit Kräuteraromen, saftigen Backpflaumen und Tabac, reich und komplex ohne zu überfordern – der Wein duldet, begleitet und bereichert die kommenden Speisen. Unsere Sommelière ist großartig!

Ox Heart, Watercress & Pickled Walnut passen beispielsweise sehr gut, dass hauchdünn aufgeschnittene Ochsenherz wurde kurz gebraten und auf Bachkresse-Salat serviert, mit goldbraun geschmorten Schalottenwürfeln, Kapern und… ja, die schwarzen Walnüsse fehlten leider. Wir haben es aber sehr spät bemerkt, insofern…

Potted Hare, der eingedoste Hase kommt als dicker Batzen würziges, schmalzgestärktes Hasen-Rillette auf den Teller, begleitet von süß eingelegten Gewürzgurkenscheiben. Wir schmieren das Rillette in dicken Schlieren auf das hausgebackene Brot, dass in rustikal geschnittenen Scheiben mit einem großen Würfel goldgelber Butter auf dem Tisch steht. Herr Henderson ist insgesamt ein großzügiger Mann.

Eine köstliche Herausforderung auch für kräftige Esser ist Middle White Faggot & Turnip, ist die Schweinsfrikadelle im Schweinenetz, mit großen weißen Fettstücken, würzigem Fleisch und, ich vermute, auch der ein oder anderen Innerei. Angerichtet auf cremigem Petersilienwurzelpüree und einer schlichten Jus. Danke.

Aus dem britischen Schlaraffenland fliegt uns noch Quail & Hedgerow Jelly , eine perfekt gebratene Wachtel in den Mund, auf einem süß-herben Gelee von „Heckenfrüchten“, wir rätseln: Hagebutte, Sandorn, Blaubeeren…Mehr ist übrigens nicht auf dem Teller: eine Wachtel und das Gelee, und doch ist dieses Gericht vielschichtiger als ein Kreuzschifffahrtsfestbüffet.

Es folgt die Vertreibung aus dem Paradies, unser Tisch wird nun dringend gebraucht, man bietet uns noch Platz und Dessert an der Bar, doch wir beschließen, den großen Abend still vergnügt bei einem nächtlichen Spaziergang sacken zu lassen und winken freundlich ab.

Wer sich an dieser Stelle das Menü nochmal gedanklich auf der Zunge zergehen lässt, staunt sicher wie wir über die Kreativität, das intensive Wechselspiel der Aromen und Texturen, zwischen wenigen, ausgewählten Produkten. Eien schon beschämende Schlichtheit, die zeigt dass sich große Kochkunst auch in Bescheidenheit beweisen kann.

PJebsen Herrlich!

sidifferent Solche Dinge kann man heute in England essen ? Wow, what a difference to the 80s. Habe mir das Restaurant gleich unter meinen Favouriten gespeichert

City Caphe - City of London

17 Ironmonger Lane, London EC2V 8EY

19-10-2010

Das Time out Stadtmagazin kennt es schon, Londons allerneustes Báhn Mì Café hat im Bank Distrikt eröffnet und es ist das: „wahrscheinlich Beste der derzeitigen Báhn Mì Café- Schwemme“.

Báhn Mì? Schwemme? Wir also da hin.

Zur Mittagszeit erreichen wir das in freundlichem sonnengelb gestrichene City Càphê, in einer langen Schlange wartet die geduldige Kundschaft auf die Spezialitäten des Hauses: Báhn Mì, Cuôn und Phở. Auf einer Schiefertafel über dem Getränkekühler dankt das Café seinen Gästen für die ersten vier Wochen, es scheint, wir sind in einer Erfolgsgeschichte gelandet.

Báhn Mì ist eine vietnamesische Erfindung und eventuell das nächste große Ding. In Vietnam selbst, in den Vereinigten Staaten, Australien und England ist Báhn Mì als schneller Snack bereits populär: ein kleines, knuspriges Baguette französischer Art jedoch mit einem Anteil Reismehl gebacken und belegt mit geröstetem Fleisch (Schwein, Rind oder Huhn), Koriander, Möhrenstreifen, Gurken, scharfen Chilis.

Ich wähle vorab Cuôn, Summer Rolls, mit Salat, Garnelen, Gurken und Möhren gefüllte Reispapier-Rollen mit süßscharfer Sauce, ein saftiger, leichter Genuß.

Das Báhn Mì begeister. Krachendes Baguette mit würzigem Schweinefleisch und knackfrischem Gemüse. Das ist so simpel und so gut, mich wundert, dass in der Heimat noch niemand drauf gekommen ist.

Schon am nächsten Tag sind wir wieder da und probieren diesmal die ganz ausgezeichneten Phở, würzige Buillon, knackige Gemüse und ein Tütchen mit frischer Minze, Chilischeiben, Sprossen und Limettenscheiben erinnert daran, dass City Càphê auch ein Take away ist.

Die Nudelsuppe ist köstlich, wer mag kann mit Fischsauce, Chilisauce und Sojasauce noch nachwürzen, war aber pur schon eine Wucht.

Unbedingt zum Schluss auch den köstlichen Eis-Càphê probieren, ein starker schwarzer Kaffee geht mit süßer Kondensmilch über Crushed Ice und hilft echt aufs Fahrrad !

sidifferent Schade, dass Du trotz der Hilfe von PJ in der Grindelallee, HH nicht fündig wurdest, was das vietnamesische Baguette angeht

Herpichs Restaurant "Petite Cuisine" - Bayreuth

Friedrichstrasse 10, 95444 Bayreuth

01-10-2010

Herpichs Brasserie ist Geschichte. In seinem alten Restaurant servierte der Bayreuther Koch und Gastronom Heiner Herpich eine bodenständige, herzhafte Bistroküche, nicht gerade in bester Lauflage.

Jetzt ist Herpich umgezogen, sein neues Restaurant liegt inmitten der historischen Bayreuther Friedrichstrasse. Das großzügig breite Straßenband ist gesäumt von imposanten Sandstein-Prachtbauten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier, in der Nummer 10, lebte der Dichterfürst Jean Paul, hier findet sich seit ein paar Monaten Herpichs Petite Cuisine.

Im Erdgeschoss führt linkerhand eine Glastür zur angeschlossenen Bar Du Vin, Herpich ist Weinliebhaber, pflegt hier aber auch seine Leidenschaft für Whisk(e)y über 60 Positionen stehen hier zur Auswahl und Herpich weiß zu jeder Bottle was zu erzählen. Im freundlichen Restaurant, vereinen sich zurückhaltender Modernismus mit Artefakten aus alter Zeit, deutlich ist die weibliche Hand in der umsichtigen Gestaltung zu erkennen. Die Hand gehört Herpichs Lebensgefährtin Gerlinde Buhrs, die den Service leitet, den gesamten Abend getreu verfolgt von Dackeldame Jean-Paula.

Auf der Karte finden sich neben einigen À la carte Vorspeisen und Haupgängen eine ganze Seite mit kleinen Gerichten der „Petite Cuisine“, jede Köstlichkeit gibt es für 8,50 €. Ich wähle das Petite Cusine-Viergang-Menü Surpirse (28,50 €). Die Weinkarte ist überraschend stark italienischer Prägung, „Die Akzeptanz!“, erklärt mir Herpich später auf meine Frage, warum der Petite Cusine Weinkeller überwiegend in italienischer Hand ist. Die richtige guten, teuren Franzosen bekomme er hier nicht verkauft und im bezahlbaren, qualitativen Mittelfeld seien die Italiener einfach stärker, sagt Herpich.

Los geht es mit einem Korb krachend frischem Baguette und Thunfischcreme, als Apero ein Glas Sommerende: eisgekühlt vermählen sich feinster Williams Christ Birnenbrand mit prickelndem Prosecco im Glas. Der erste Gang wir aufgetragen, drei perfekt gebratene, dicke Jacobsmuscheln, auf einem scharfen Raukesalat der durch ein cremiges Sauerrahmdressing Milderung erfährt. Wenige Körner knuspriges Fleur du Sel und einige Tropfen aromatisches Olivenöl runden die Harmonie auf dem Teller. Nichts ist zu viel, nichts fehlt. Die Produkte dürfen ihre eigene Sprach sprechen und werden dabei zum ausdrucksstarken Chor. Perfekt!

Der Fränkische Sommerach Riesling, im offenen Ausschank für 4 € das Glas, ist mineralisch frisch, eine rustikale Angelegenheit, kernig und mit Charakter. Ich betrachte die historischen Fotografien an der Wand, die schwarz-weiß-braunen Bilder sind Zeugen einer Zeit, als die Fotografie noch etwas ganz besonderes war. Die portraitierten Bürger der Stadt blicken konzentriert und ernsthaft in die Kamera, einig im Wunsch, die Welt einen Moment lang festzuhalten.

Auf dem Augenlid-förmigen Teller vor mir finden sich drei knackige Garnelen auf Sauren Linsen, Letztere eine sehr süddeutsche Angelegenheit und in Kombination mit Garnelen so gewagt wie hier gelungen. Die nussigen Garnelen harmonieren bestens mit dem dunkel-cremigen Linsengemüse, das mit Balsamessig gesäuert und mit Honig in perfekte Balance gebracht wurde.

Der Hauptgang ein Höhepunkt, butterzart in Rotwein geschmorte Kalbsbäckchen in würziger Jus mit einer cremigen Polenta und erneut einigen Tropfen hocharomatischen Olivenöls, dass für geschmackliche Dreidimensionalität sorgt. Die Crème brûlée zum Dessert ist ein Crème brûlée.

Auf meinen Wunsch hin, führt mich Frau Buhrs nach dem Essen noch schnell hinaufin die Heiligen Hallen des „Salon Jean Paul“. In den historischen Wohnräumen des Dichters findet sich Platz für bis zu fünfzig Personen, hier kann unter feinstem Zierstuck und Kronleuchtern im historischen Ambiente getafelt werden-selbst die Ochsenblut-dunkle Wandfarbe steht unter Denkmalschutz.

Auf einen Absacker noch in die schöne Bar Du Vin, ein Trupp junger Damen versucht sich jauchzend am Sommerende, aus den Boxen schmeichelt alter Big Band Swing den Ohren und nur die Vernunft mahnt dann doch zum Aufbruch.

bloomsburys - Hamm-Mitte

Eiffestraße 426, 20537 Hamburg

20-08-2010

In Berlin gibt es bloomsburys schon seit einigen Jahren, seit dem 15. August ist der Premium-Restaurantlieferservice auch in Hamburg unterwegs, liefert auf Bestellung Speisen und Getränke, Weine und ganze Menüs aus ausgewählten Restaurants der Stadt. Die Liste der der derzeit 24 Hamburger Restaurants die sich für diese neue Idee begeistert haben und bloomsburys-Partner wurden liest sich mundwässernd (für Hamburger: u.a. Jus, East, Amadée, Fillet of Soul und Trific…), es bieten sich vom gehobenen Restaurant bis zur guten Pizzeria viele kulinarischen Möglichkeiten. Der Einladung von bloomsburys, zum Hamburg-Start den Sevice zu testen, bin ich dementsprechend gerne gefolgt. An insgesamt drei Abenden haben die Liebste und ich uns vergangene Woche vom eleganten Bestellmagazin inspirieren lassen. Das Heft kann online bestellt oder direkt eingesehen werden, neben einer Kurzvorstellung aller Restaurants finden sich Speisekarten der Restaurants, tagesfrische Menüs empfehlen derzeit noch die freundlichen Damen am bloomsburys-Telefon, später sollen die Menükarten tagesfrisch online gehen.

Für unsere erste Bestellung haben wir das Restaurant Das Weisse Haus gewählt. Die ehemalige Wirkungsstätte Tim Mälzers, hat sich mittlerweile vom berühmten Namen und dem damit einhergegangenen Gastro-Tourismus erholt, hier wird souverän, kerativ und auf hohem Niveau gekocht, davon konnte ich mich vor ein paar Wochen überzeugen. Das Weisse Haus wählten wir natürlich auch, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Bis zu uns ist es von dort ein weiter Weg für warmes Essen.

Der Telefonservice, hier Customer Care Agent, genannt ist herzlich, in Ruhe erklärt man uns alles und klärt gemeinsam die Bestellung. Für die Rückfrage bezüglich der aktuellen Speisekarte werden wir schon nach wenigen Minuten zurückgerufen. Wir wählen Kalbskotelett gegrillt mit dicken Kartoffelbalken und Sc. Bérnaise (25 Euro) und ein Zweigang-Menü (28 Euro): Geräucherte Kalbsbäckchen mit Auberginenkaviar, Wildkräutersalat und Kerbel-Créme fraîche, als Hauptgang „Surf & Turf“ Schwarzfederhuhnsupréme mit Garnelen, grünem Spargel und Chorizo-Graupenrisotto. In 45-60 Minuten will man uns das liefern und zwar heiß. Im Grunde unmöglich.

Nach genau einer Stunde hält ein Bloomsbury-Minicooper vor unserem Haus, drei Minuten später steht unser Driving Butler auf der Fußmatte und fragt ob er uns das Essen Servieren könne. Der junge Mann ist sportlich elegant gekleidet, zum weißen Hemd eine schmale, schwarze Kravatte, schwarze Hose, sporliche schwarze Schuhe. Kurzhaarschnitt. Und perfekte Manieren. Er grüßt herzlich, stellt sich namentlich vor, entnimmt unsere Bestellung den schwarzen Wärmeboxen und fragt tatsächlich ob und wo er Servieren dürfe. Machen die. Wir verneinen heftig, schließlich testen wir hier unter realen Bedingungen, wir tragen Schlabberklamotten und die Wohnung ist ein Schlachtfeld. Zum Schluss überreicht der Driving Butler eine Visitenkarte mit seinem Namen und dem Hinweis, man dürfe künftig gerne nach ihm Fragen, und natürlich gegebenenfalls auch reklamieren. Ich bin begeistert.

Mein Menü ist geschmacklich eine Offenbarung, alles ist perfekt auf den Punkt, die Speisen sind heiß. Die Liebste hat Pech. Auch ihr Kotelett ist ohne Tadel, hat aber, ebenso wie die drei Kartoffelbalken, die Fahrt nicht gut überstanden, die Speisen sind lauwarm. Da hatten es mein Huhn am Knochen und das kompakte Graupenrisotto leichter, die Hitze zu halten. Eventuell eignen sich nicht alle Speisen gleich gut für dieses System. Rausfinden wollen wir das bei weiteren Tests.

Das Bestellmagazin läd auch dazu ein, neue Restaurants zu entdecken, ins Amadée wollten wir schon lange mal. Einst war hier das Restaurant Stocker zu finden, hier kochte der viel zu früh verstorbene Niederösterreicher Manfred Stocker eine genial weiterentwickelte Heimatküche. Heute stehen hier der junge Küchenchef Peter Zühlke (24) und sein Team am Herd und für eine Neue Wiener Küche. Küchen die sich auf Ihre geographischen Wurzeln berufen, teste ich gerne mit den heimischen Klassikern. Unser Customer Care Agent ist auch heute wieder eine charmante und herzliche Frau, wir bestellen Tafelspitz, Kaiserschmarrn und Wiener Schnitzel. Letztere sind mit Bestellnummer als Standart für dieses Restaurant angegeben, den Tafelspitz entnahm ich der Beispielkarte, die das Angebot eines Restaurants stellvertretend darstellt, Abweichungen sind möglich.

Diese Abweichungen werden mir jetzt vorgelesen. Die aktuelle Karte liegt in der Telefonzentrale vor, ich könnte stundenlang zuhören, mundwässernde Kreationen, ich beschließe in allernächster Zeit einen Tisch im Amadée zu bestellen, wir beharren aber auf den Klassikern. Statt des Tafelspitzs wähle ich ein Kalbsragout mit Knöpfle, einer Art zu kurz geratener Spätzle. Auch heute sind 45-60 Minuten versprochen, mit akademischen zehn Minuten wird das Ziel knapp verfehlt. Der Driving Butler lässt heute seine Visitenkarte gar nicht da, schade, das persönliche dieser Geste hatte mich beim ersten Mal mächtig beeindruckt.

Alle Gerichte sind heiß. Mein Kalbsragout dampft sogar noch, butterzarte Kalbfleischwürfel, in rahmiger Sauce mit vielen frischen Steinpilzen und in Petersilienbutter gebratenen Knöpfle. Eine riesen Portion für 16,70 Euro. Chapeau, Hammer! Das Wiener Schnitzel (16,50 Euro) ist gewaltig groß, passt gerade so in die Box und ist trotz Fahrt und Hauben-Abdeckung knusprig, hauchdünn und zart, die Panierung fein gewellt, der Kartoffelsalat dazu tadellos. Der Kaiserschmarrn in stattlicher Hauptgangportion (8 Euro) ist ungewöhnlich großteilig zerrupft und wurde nicht mehr in Butter geschwenkt und mit zusätzlichem Zucker karamellisiert. Dafür ist diese Variante dennoch perfekt fluffig, nicht zu süß und mächtig, der Zwetschgenröster dazu deutlich gewürzt und schön würzig mit Wein, Nelke, Zimt und Lorbeer(!). Genial!

Beim letzten Testabend wollen wir es wissen: ist bloomsburys auch der bessere Pizzaservice? Die Pizzeria klingt als sei der Name genau das Programm, das wir uns heute Abend vorstellen und wir halten uns an die Klassiker: vorweg eine Caprese (7,50 Euro), danach eine Margherita (7,50 Euro) und eine Pizza Spinaci, Caesar´s Salad mit Römersalat, Sardelle, Parmesan, Ei, Röstbrot und gebratenem Sesamhühnchen (12,50 Euro). Am Telefon läuft alles gewohnt herzlich am Schnürchen, die Zeit wird heute lässig um zehn Minuten unterboten, der Driving Butler ist der von gestern Abend und hat heute auch seine Visitenkarte dabei.

Unsere Sorge gilt den Pizzen. Die sind handwarm. Das sind sie beim Pizzalieferservice auch. Immer. Und wie immer tut man gut daran, den Ofen auf volle Pulle zu schalten und die Dinger einfach noch mal kurz hochgrillen zu lassen, dann ist das kein Ding. Pizza ist so. Die Salat sind prima, der Caesars sogar richtig gut und die Caprese überzeugt mit sehr gutem Mozzarella und frischer Pesto an Rauke-Urwald. Leider sind überall Sprossen drauf. Im nächsten Leben werde ich Sprossenzüchter. Sprossen machen alle, Sprossen passen selten zu irgendwas und zeugen meist von mangelndem Selbstvertrauen zum Gericht. Muss hier gar nicht sein, Caesar und Caprese hatten den Tand nicht nötig. Jetzt die Pizzen im Ofen noch mal hochgegrillt, Riesenräder, dünner, knuspriger Boden, ordentlich Käse, geschmacksneutrale Trockengewürzbestreuung, insgesamt für den Preis prima.

FAZIT:

bloomsburys überzeugt vom ersten Tag an mit einem herzlichen, gastfreundlichen Telefonservice der Seinesgleichen sucht. Die Driving Butler sind wie aus dem Ei gepellt, haben Benimm und Stil, die Jungs lässt man gerne in sein Heim. Hier wurde merklich geschult und ausgesucht, das merkt man, das ist klasse. Die Lieferzeit von 45-60 Minuten wurde einmal eingehalten, einmal um zehn Minuten verfehlt und einmal um zehn Minuten unterboten. Im Schnitt stimmt die Lieferzeit also. Für die Speisen die angeboten werden, ist die Lieferzeit sowieso ein Wunder, wer den Ablauf in einer gehobenen Restaurantküche zur besten Abendzeit kennt, wird die Zeitlogistik der Restaurants in Zusammenarbeit mit bloomsburys zu schätzen wissen. Wer bei blooomsburys bestellt, wählt das Besondere, Speisen aus sehr guten Restaurants der Stadt und wer um die Stunde Lieferzeit weiß, kann dementsprechend planen. Die Temperatur gilt es sicher hier und da noch zu regeln, die einzige Startschwierigkeit in der ersten Woche.

bloomsburys liefert noch nicht in ganz Hamburg und nicht überall in Hamburg in alle Restaurants. Das ist der Logistik geschuldet, basierend auf der Strecke zwischen Bestelladresse und Restaurant. Das Netz kann wachsen. Nicht ausprobiert haben wir die ansprechend bloomsburys Wein- und Champagnerkarte, es werden außerdem Cocktail und Longdrink Boxen für 10-15 Cocktails zum selber mixen angeboten (Mojito, Daiquiri, Cuba Libre, Martini Royale…), inklusive Eiswürfeln/crushed Ice, Barbesteck und Cocktailservietten, diverse Kaffeesorten, eine Teeauswahl und Zigaretten. Ein Gewinn für Hamburg. Für die Abende an denen man in keinem Restaurant gesehen werden möchte, oder für Abende an denen das beste Restaurant der Stadt einfach mal zuhause sein soll.

m-yildirim Gibt wohl 2 x bloomsburys in hamburg, oder seit deiner bestellung hat sich alles geändert. Mittlerweile echt schlechter service, essen kalt und von der fahtrweise des fahrers kaputt. ekelhaft. siehe mein beitrag.

Herr_Paulsen Hallo m-yildirim,

danke für den Hinweis! Da zeigt es sich mal wieder: in der Gastronomie ist ein Jahr eine Ewigkeit, zumindest aber gibt es immer wieder Tagesformen und mitunter große Schwankungen in der Leistung. Da ist Qype ganz weit vorn, solche Änderungen und Tendenzen durch immer wieder neue und aktuelle Mitgliederbeiträge aufzuzeigen. Ich bin gespannt, ob und wie Bloomsbrrys auf Deinen Beitrag reagiert. Ein gutes Reklamationsmanagement wäre in diesem Fall hilfreich.

Kulmbacher Kommunbräu e.G. Reale Bierwirtschaft - Kulmbach

Grünwehr 17, 95326 Kulmbach

14-08-2010

In den engen Gassen, und rund um den Marktplatz des Städtchens am Fuße der Plassenburg, wimmelt es von Kneipen und Wirtshäusern, allesamt einladend und wie für einen Postkarten-Fototermin aufgebrezelt. Ortskundige Kulinariker führten mich aber zum Rande der Stadt ins Kulmbacher Kommunbräu. Ich verbrachte gleich zwei Abende dort.

Der Biergarten der Brauereiwirtschaft liegt an einem rauschenden Bach, der angenehm kühl hinauf in die saftigen Blattkronen der Kastanienbäume atmet, auf blauen Biertischen wird Fränkische Festtags- und Versperküche auf höchstem Niveau serviert. Dazu schmeckt das unfiltrierte, naturtrübe Hell- und Bernsteinbier der Hausbrauerei. Es werden Brauereiführungen und Bierproben angeboten.

Hell und aufgeräumt ist es im Inneren der gelungen zurückhaltend modernisierten Wirtschaft, am Eingang sind imposante, kupferglänzende Sudkessel zu bewundern, im hinteren Teil findet sich ein Bierkrug-Tresor, in dem Stammgäste ihre Lieblingstrinkgefässe lagern. Rote Steinmauern und geweißte Wände wurden mit dunklem Holzgestühl und einfachen Holztischen kombiniert. Der Service ist jung, attraktiv, sehr herzliche und pfeilschnell wie die Küche selbst. Wartezeiten gibt’s hier nicht.

Ein Ereignis war die Ausgschtraafta, eine feine Bratwurst, die roh auf ein Bauernbrot gestrichen (ausgestreift), mit viel Zwiebeln. Paprika und schwarzem Pfeffer aufgetischt wurde. Wer je eine Ausgschtraafta kostete, ist für ein einfaches Mettbrötchen auf ewig verloren. Köstlich auch der geräucherte Limburger Käse, perfekt gereift, in dünnen Scheiben mit Zwiebeln, knackigen Apfelwürfeln und Olivenöl beträufelt serviert. Eine raffinierte Kombination aus fränkischer Tradition und italienischem Gold.

Auch das Kulmbacher Carpaccio war schlicht genial. Ich habe meinen Frieden damit gemacht, dass sich alles was dünn aufgeschnitten zu Tisch kommt Carpaccio nennt, hier war es hauchdünner Schweinebauch mit Musik, sprich Essig und Öl mariniert, dazu Meerrettich-Kren, wie ich ihn schärfer nie aß. Leise weinend durchweichte ich zahlreiche Servietten beim Versuch wieder zu Atem zu kommen.

Erinnernswert auch das Süßsaures Geling´„ohne Lunge, mit viel Herz und Zunge“. Unter dicker dunkler Sauce, süß-würzig mit deutlicher Wachholdernote abgeschmeckt, fand sich löffelweise butterzartes Herz und Zungenfleisch. Göttlich! Das dunkel gebackene, duftende Bauernbrot dazu ist ein Glück, dass durch das fein moussierende, eiskalte „Sommerweizen-Bier“ zur Biergartenglückseligkeit wurde. Das spritzige Sommerweizen wird nur in diesem Monat serviert, denn jeden Monat wird im Kommunbräu eine andere Bierspezialität gebraut, Vorfreude schafft ein Blick in den Kommunbräu-Bierkalender.

Auf der Karte lockten unter anderem Blaugsudna, Original Kulmbacher Bratwürste im süßsaurem Zwiebelsud mit a´ gut´s Kulmbacher Laabla, oder gekochte Scheinshaxe mit Meerrettichsoß´und Brot , das war aber nicht mehr zu schaffen. Ich muss da unbedingt wieder hin.

Herr_Paulsen Welche wären denn das in diesem Fall? :-)

Adinho Einer der besten Beiträge über Kulmbach ! Und : Es stimmt !

HOTEL RITTER DURBACH - Durbach

Tal 1, 77770 Durbach

29-12-2009

Der RITTER im badischen Weindorf Durbach ist eine Legende, in den siebziger und achtziger Jahren eines der renommiertesten Häuser der Republik, hier traf sich Helmut Kohl und François Mitterand zu Schneckensuppe und Schäufele, illustre Prominenz ging ein und aus, über der Küche funkelten zwei Michelin Sterne.

In den Neunzigern verlor das Haus Prestige, Charme und Gäste, fiel in einen ausgedehnten Dornröschenschlaf aus dem es vor zwei Jahren erwachte. In Rekordzeit verwandelten die neuen Besitzer Dominic Müller (37) und seine Frau Ilka Müller das 500 Jahre alte Fachwerkhaus mit jüngerem Anbau in ein Wellness- und Gourmet-Hotel, dass jetzt schon mit allen relevanten Auszeichnungen und Empfehlungen ausgezeichnet ist. Der 600 qm große RITTER SPA unter der Leitung von Antonio Di Nunno wurde vom Relax Guide mit einer Lilie bedacht, das angeschlossene Gourmet-Restaurant WILDER RITTER unter der Leitung von Christian Baur wurde im vergangenen Herbst mit einem Michelin Stern gekrönt, die Weinkarte des Hauses gehört bezüglich der Auswahl an deutschen Gewächsen zu den Besten des Landes, ein Highlight des Hauses ist der modernisierte Gewölbeweinkeller in dem auch getafelt werden kann.

Von der beeindruckenden Arbeit der Hamburger Innenarchitekten von JOI-Design können Sie sich auf der reich bebilderten hoteleigenen Internetseite überzeugen. Wie hier mit Bedacht das alte historische Bauwerk elegant modernisiert wurde ist schon sensationell, alleine wie der Wellness-Bereich passgenau über drei Stockwerke gemütlich ins verwinkelte Haus integriert wurde ist bemerkenswert. Wir haben uns sehr wohl gefühlt im großzügigen Zimmer (mit Kissen und Decken à la carte zum selbst zusammenstellen!), auf den gemütlichen Sesseln in der lichten RITTER LOUNGE, im blitzsauberen SPA-Bereich und im Gourmetrestaurant ebenso wie in der historischen Wirtsstube.

Was die hoteleigene Internetseite nicht erzählt: das Haus unter der Leitung der Familie Müller überzeugt ganz besonders mit ausnahmslos hochambitioniertem Personal, hier arbeiten keine dressierten Gastro-Äffchen, hier arbeitet eine junge Brigade, die unprätentiös und mit großer Herzlichkeit die Wünsche der Gäste erfüllt. Überraschend jung sind auch die Gäste, überwiegend Mittzwanziger und Thirtysomethings entspannen im Ritter. Angenehm belebt wird das Hotel am Abend zusätzlich durch die vielen Außer-Haus-Gäste die von der ausgezeichneten Küche angelockt werden.

In der historischen RITTERSTUBE werden rustikale Schmankerln und Feines aus der Region angeboten, mich begeisterte besonders das Klassiker-Menü des Hauses mit badischen und elsässischen Traditionsgerichten, ich aß fünf Gänge für 55 Euro: Gugelhupf von der Gänseleber mit schwarzen Nüssen und buttersattem, fluffigem Brioche, die berühmte überbackene Schneckensuppe mit Thymianröstbrot, gratiniertes Hechtklößchen mit getrüffelten Kohlrabi und Petersilienkartoffeln, geschmolzener Munster mit angemachtem Rote Beeterettich und Bio-Senföl und Arme Ritter mit Rieslingsabayone, eingelegten Kirschen und Vanilleeis. Die dazu gereichten, korrespondierenden Weine, alle aus der reichen Weinregion, waren eine Offenbarung!

Unser Abend bei Christian Baur im Gourmet-Restaurant WILDER RITTER beinhaltete ein Menü das Teil unseres vorweihnachtlichen Gesamtarrangements war: Curry Anapurna von Bärenkrebs mit Sorbet von grünem Apfel, geangelter Wolfsbarsch mit Rosmarinbuttermilch und Wan-Tan von Spinat und Kürbis, Pochierter Bretonischer Lammrücken auf Schnekcenporridge, Kohlrabiravioli und Artischocken, Estragon Bayerischcreme mit Macadamiawaffel und Portwein-Eis, standen auf der Speisekarte. Der Michelinstern leuchtet zu Recht über dieser Küche. Die Weinberatung durch den Gastronomischen Leiter und Chefsommelier Ronny Weber war ein großes Vergnügen, Weber kann aus den Vollen schöpfen, kennt seine Weine und begeistert mit faktenreichen und kurzweiligen Erzählungen zu jedem Glas.

Die aktuellen Speisekarten lassen sich allesamt auf der Internetseite des Ritters einsehen. Davon dass die Uhren im RITTER anders ticken, und immer zum Wohle des Gastes, auch davon zeugt die Internetseite. Die Leiterinnen und Leiter sämtlicher Abteilungen des familiengeführten Hotels werden dort mit Foto, E-Mailadresse und Durchwahlnummer vorgestellt, es ist die Politik des Hauses Kritik möglichst direkt und zeitnah aufzunehmen.

Fazit: wunderschön gestaltetes, familiengeführtes 4 Sterne Superior Designhotel inmitten von badischen Weinbergen, das junge, unprätentiöse Personal umsorgt den Gast gelernt und herzlich. Gemütlicher SPA-Bereich mit umfangreichem Angebot an Anwendungen, ausgezeichnet mit einer Lilie. Zwei Restaurants für jeden Anspruch, eines mit einem Michelinstern gekrönt. Auch die Lage des Hotels, an der badischen Weinstrasse und nur dreißig Auto-Minuten von Straßburg und dem Elsass entfernt, machen das Hotel zu einem lohnenden Ziel für Kulinariker, Feinschmecker und Weinfreunde.