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Sou Lenz de Schaffhausen. Sou Qyper desde 18-05-2006

"Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann. (Francis Picabia). "

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Das Meer und die Sehnsucht nach den Abruzzen - Moscufo

Via Ugo Foscolo, Provinz Pescara, 65010 Moscufo

12-01-2008 (atualizado em 12-02-2012)

Zweiter Teil zu Toninos Reise durch die Abruzzen. Den ersten finden Sie in Die Abruzzen und die Sehnsucht nach dem Meer.

Gegen Abend des fünften Tages erreicht Tonino Moscufo, ein Örtchen im Hinterland des adriatischen Meeres. Aber von der geografischen Meeresnähe Moscufos hat der junge Mann keine Ahnung, denn so weit konnten die Etüden bei Monsignore Savonarola nicht gehen. Leonardo da Vinci zeichnet zu der Zeit zwar seine ersten Hubschrauber, aber selbst wenn sich einer davon tatsächlich in die Lüfte erhoben hätte, wäre Tonino bestimmt nicht darin gesessen um die Landschaft zu erkunden. Tonino ist also was die Nähe zum Meer anbelangt ahnungslos. Die langersehnte Überraschung soll erst morgen kommen. Morgen. Der späte Tag verspricht trotzdem so Einiges.

Es wird Nacht in Moscufo

Ein prächtiger Abendhimmel senkt sich nun über das geschäftige Städtchen. Zögerliche Sterne funkeln. Auch der Mond beginnt zu schmunzeln. Schon am Ortseingang drängeln sich Krethi und Plethi. Es ist ja auch Sonntag. Schweine drängen sich zu den Trögen. Ziegen meckern, wilde Hundehorden zelebrieren den Feiertag. Die Kirche Santa Maria del Lago mit ihrer Benediktinerabtei lässt Tonino links liegen. Von Geweihtem hat er die Nase voll. Auch wenn das Gotteshaus noch so schön romanisch ist. In der Renaissance ist man weltoffen, vergnügungssüchtig, und Verruchtes scheint es am Palazzo eines langobardischen Adeligen zu geben. Zumindest drängen sich da alle Händler, Spieler und Gaukler. Das fürstliche Gemäuer liegt etwas außerhalb in einem Olivenhain.

Stockduster ist es nun, doch irgendwo lockt die Sünde

Tonino ist guter Dinge, denn er mag Menschen. Je mehr desto besser. Die gierigen Hände der Bettler und Spieler stören ihn nicht. Er hat nichts zu verlieren und nur alles zu gewinnen. Selbst die brennende Spiritusfontäne des Feuerschluckers, die seine Wange kurzzeitig streift, lässt ihn kalt. Aber das Spiel der Blockflöten und Gamben kratzt ihn auf. Eine unbeschreibliche Erregung bemächtigt sich seiner. Oben auf der Balustrade im Innenhof des Anwesens hat sich ein neugieriges Grüppchen von Schaulustigen versammelt, vorwiegend vornehme Damen. Eine ist darunter, bestimmt nicht das Adelsfräulein, aber bestimmt eine Kammerzofe. Ausgerechnet sie lächelt Tonino zu. Ausgerechnet ihm. Was will sie um Himmels Willen??? Tonino ist gelinde gesagt verlegen. Sein Bein juckt. Um das Maß voll zu machen, schwenkt die Schöne und Einzige ihren Becher aus Zinn. Oh Gott, das sieht aber einladend und außerdem großzügig aus. „Oh berauschender Wein, oh köstlich berauschende Liebe“, jubiliert Tonino und steigt mutig auf ein Fass unter dem Balkon seiner Sehnsüchte. Irgendeiner hat es glücklicherweise vergessen, nur für ihn. Nun ist es nicht so, dass Tonino Dionysos Gabe nicht kennen würde. Nein, nein. In der Taverna Ducale bei sich zu Hause hatte er öfters nach diesem berauschenden Elixier gebettelt, aber ein übers andere Mal einen Tritt in den Allerwertesten gekriegt. Aber nun das.

Wunderschön ist sie, die Angebetete. Blass ist ihr Teint, makellos. So gar nicht so kräftig gebräunt wie die dummen Gesichter der Bauerngören. – Die vornehmen Damen trugen damals Hüte beim Landspaziergang. – Aber ein klitzekleines bisschen gerötet sind ihre Wangen doch. Ganz sicher ist es die holde Erregung. Hallelujah! Tonino hört die Engel frohlocken, nur die guten, denn es gibt auch böse. Er möchte sie zart berühren, die Wunderbare sachte küssen. Nur einmal die Wolllust spüren. Mit ihr zu den Sternen empor schweben und ins gemachte Bett fallen. Ein Dreifach Hallelujah! Es kommt, wie es kommen muss. Tonino streckt sich, das Fass gibt nach, und er findet sich nicht im Siebten Himmel, sondern in der Jauchegrube wieder. Das haben wir nun davon. Lange noch schallt das heidnische Gelächter des Pöbels in seinem Ohr. Lange bis nach Mitternacht. „Morgen gehe ich zum Meer und lasse Sünde Sünde sein“, beschließt er tapfer. Und das ist auch gut so.

Weg von Sodom und Gomorrha

Am nächsten Morgen macht sich Tonino frühzeitig auf den Weg, weg vom Sodom und Gomorrha der Abruzzen. Die Horizonte werden flacher und weniger, und so erspäht er bald schon etwas Unglaubliches. Es ist tiefblau und weit, unendlich weit, und es ist das Meer. Tonino ist so gerührt, dass er eine Träne verdrückt. Sie schmeckt salzig. Hat er es doch geschafft. Dank sei Francesca, Padre Savonarola, dem Volto Santo, Leonardo und selbst Dionysos! Dank gebührt auch seinem treuen Wolfshund, der ihm kaum glauben wird. Tonino weiß jetzt, wo das Meer ist, ist auch Pescara. Das wussten schon die Völker der Antike, sie nannten es nur Aternum und es war ein Hafenort. Zu Toninos Zeiten sagt man Piscaria und es ist auch ein Hafenort und damit basta. Erst entdeckt er kleinere Hüttchen am Strand, in tieferem Wasser auf Pfählen gebaut. Es riecht penetrant nach Fisch und auch etwas muffig nach Tang. Ist das der Geruch der großen weiten Welt? Nein, es ist das Odeur eines Berufsstandes, den es in Popoli gar nicht geben kann. Denn da fehlt das Meer. Und im Meer gibt es Fische, und das nicht zu knapp. Und die Fischer erfreuen sich an Barrakudas, Petermännchen, Fahnenbarschen, Zwerg-Zackenbarschen, Meerjunkern, Meeraalen, Eberfischen, Schwertfischen, Thunfischen und weiß der Teufel an sonst noch was. Sogar an Haien, Katzenhaien zum Beispiel. Aber in diesen Hüttchen am Meer fangen die Menschen, die es in Popoli gar nicht geben kann, vorwiegend Hummer, Langusten, Krabben, Garnelen und Aale. Alles in Reusen, Körben aus Weidengeflecht. Und die gibt es in Popoli auch nicht.

Das Meer! Das Meer!

Der Geruch der großen weiten Welt

Tonino beschließt, bei aller Attraktivität, die ein Leben mit Meeresfrüchten ausmachen würde, keinesfalls Fischer zu werden und eine leise Sehnsucht nach den Bergen schleicht sich hoch. Aber nur leise. Etwas weiter im Dunst sieht er eine Ansammlung von Häusern, die im wie Pescare vorkommen. Durch lichte Pinienwälder schlendert er nun, vorbei an schlanken Kiefern, prächtigen Mandelbäumen und üppigen Oleandersträuchern und flugs ist er da, in Pescara. „Meine Herren, so viele Menschen auf einem Haufen gibt es in Popoli nicht. Nicht in einem Monat, nicht im ganzen Jahr und nicht in zehn Jahren“, denkt er. Aber es sind nicht nur die Menschen, die ihn schwindlig werden lassen. Denn es wimmelt nur so von Fahrzeugen; von Pferdefuhrwerken und Kutschen und Ochsenkarren. Und von Tieren; ganzen Schweineherden, einzelnen Kühen, Eseln und Ziegen. Und von Hühnern, Hunden und sonst noch was. Aber richtig aufregend sind die vornehmen Menschen, die Damen allzumal. Das hat er noch nie gesehen. Tonino fängt an zu tanzen und tanzt mit seinen Blicken durch die fremde Welt. Hier ein körpernah geschnittenes Mieder mit viel Haut und Bordüren. Da ein Rock mit fantasievollem Faltenwurf. Dort eine kunstvolle Frisur mit zartem Netz und Bändern oder Perlenschnüren. Tonino taumelt und lernt doch alles kennen, was es in Popoli nicht gibt. Aber hier, im Piscaria der Renaissance: Alles was man als „Gamurra“, „Cioppa“, „Chemise“, „Sella“, „Fazzoletto“ oder „Zoccolo“ bezeichnet.

Häuser so hoch, wie es sie in Popoli nicht gibt

Tonino hat nun Eindrücke für mindestens zehn Jahre gesammelt, wenn nicht fürs ganze Leben. Aber da sind noch die Schiffe, die bis nach Indien segeln würden und das Meer. Am Hafen angekommen, findet er aber nebst dem schon bekannten Fischgeruch nur einige kleinere Boote, die vom Fischfang zurückgekehrt sind. „Wo sind denn die Schiffe, die bis nach Indien segeln?“, fragt er einen alten Mann, der den Horizont studiert. „Ach, die sind in Venedig, der Republik, oder auf dem Meer“, sagt der Greis gütig. „Aber sieh mal, da ist ein Schiff, das kommt über den Horizont. Jetzt kannst du nur die Masten sehen, aber schon bald die ganze Reling“. „Warum ist das so?“, fragt Tonino etwas enttäuscht, denn das Schiff ist nicht sehr groß und eben nur zur Hälfte zu erkennen. „Weil die Erde rund und keine Scheibe ist“, sagt Leonardo. Nur, das weiß Tonino nicht. Nicht dass es Da Vinci ist. Also kehrt er heim, nach Popoli in die Abruzzen, und nach fünf Tagen ist er da. „Wo warst du?“, fragt seine Mutter. „Ich war hinter dem Horizont“, sagt Tonino und kaut zufrieden, denn es gibt Haferbrei, seine Lieblingsspeise. Und der Hund ist auch da.

Ende der Reise.

hafi46 Warum bin ich eigentlicht nicht vorher auf diese Berichte gestoßen?
Super!!!

Lenz Danke dir, hafi. Es freut mich, wenn sie gelesen werden.

Die Abruzzen und die Sehnsucht nach dem Meer - Popoli

Via De Contre, Provinz Pescara, 65026 Popoli

12-01-2008 (atualizado em 04-02-2012)

Einige durchaus modern denkende Zeitgenossen haben mich zu diesem Beitrag gebracht, und ihre Lust zu reisen. Zu reisen, wie ich mal an anderer Stelle schrieb, zu reisen im Kopf. Aber auch für andere, normal passionierte Wanderer, ist es ein Artikel zu einer wunderschönen Gegend Italiens und zu einer Exkursion, die in Popoli, einem kleinen Örtchen zwischen dem Parco Nazionale del Gran Sasso e Monti della Laga und dem Parco Nazionale della Maiella, beginnt und in Pescara am adriatischen Meer endet. Und die Reise ist fiktiv und findet in der Zeit der Renaissance statt, in der Zeit zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert, also in der Zeit von Leonardo da Vinci. Alles Historische ist aber wahr und die Landschaft ist so wie beschrieben, denn ich kenne sie. Stellen wir uns einfach diese wunderschöne, sanft hügelige Landschaft vor, einen jungen Mann von fünfzehn Jahren, und geben einen Schuss der Castingagenten und Ausstatter von Pier Paolo Pasolini dazu. Derjenigen, die Pasolinis Werk „Decameron“ so schön mitgestaltet haben.

Toninos Elternhaus in Popoli

Tonino, so heißt der junge Mann, stammt aus einem bescheidenen Elterhaus, das direkt am Quellfluss der Pescara im altertümlichen Örtchen Popoli steht. An der Via De Contre. Nicht weit entfernt liegt die Kirche San Francesco und das Schlagen des Klöppels gegen die zinnbronzene Glocke weckt ihn jeden Morgen um Sechs. Der Nebel mit seiner Feuchtigkeit zieht dann von der Pescara hoch und Tonino ist froh, dass es in der Küche heißen Kaffee gibt. Keinen Kaffee wie wir ihn heute kennen, nein, nein. Francesca, seine Mutter, verwendet geröstete Eicheln oder Erdmandeln zum Aufbrühen. Toninos Vater ist weg, eigentlich ist er nie da, denn er hat endlich Arbeit in der Abtei San Clemente a Casauria gefunden. Als Kürschnergehilfe. So sind die beiden allein an diesem Frühjahrsmorgen, mit einer Ziege, drei Hühnern und einem Mischlingshund, der etwas Wölfisches hat. Tonino scheucht die Hühner vom Tisch und streicht sich seinen zerknitterten Leinenrock glatt. Heute ist Mittwoch und er wollte zu Padre Savonarola in die Kirche San Trimitá, um das hölzerne Chorgestühl zu polieren und um Padres Geschichten zu hören. Tonino kann weder lesen noch schreiben, aber der Padre kann es und er hat einige zerfledderte Schriftstücke von einem Giovanni Boccaccio in seinem Schrank, die von der großen und weiten Welt berichten. Diese Welt ist so ungeheuerlich und so aufregend für Tonino, dass er sein einziges Hemd hergeben würde, um mehr davon zu erfahren. Etwas hat er ja schon davon gesehen, vom Kirchturm der San Francesco, von der Glockenstube aus. Aber da war nur ein Horizont und wenn er Padre Savonarola ungeduldig fragte, was dahinter wäre, sagte der, noch ein Horizont und dann noch einer und noch einer und schließlich das Meer. Aber das wäre nicht die gesamte Welt.

Das Ufer des Flusses Pescara

Als Tonino an diesem Morgen nun an der Taverna Ducale vorbeihastet, hört er etwas Merkwürdiges. Es sind zwei übrig gebliebene Säufer, die sich vom Meer erzählen, und der eine sagt, es wäre bei Pescara. Nicht das ganze, aber ein Teil davon. Und da wäre auch der Hafen mit den Schiffen, die bis nach Indien segeln würden. Oder zumindest beinahe. „Wo ist denn Pescara?“, fragt Tonino neugierig, nicht ohne vorher gehörig Mut bereitgestellt zu haben. „Ach, das ist da hinten, hinter dem Horizont“, sagt der Krummbeinige. „Gegen Osten ist es, da, wo die Sonne aufgeht“. „Meine Herren“, denkt sich Tonino, „die Sonne steht aber schon ganz schön hoch“. „Gibt es dann etwas weiter noch einen Horizont?“, will Tonino wissen. „Ja, da gibt es noch einen“, sagt der Vernarbte und lacht dreckig. Tonino hat genug und beschließt, das Meer zu suchen. Ganz einfach, jetzt, ab hier und heute, und ohne seinem Vierbeiner auf Wiedersehen zu sage und der Mutter auch nicht. Und das Chorgestühl kann warten und die Geschichten vom Padre auch. Die Realität ist immer noch aufregender als aufregend. So macht sich Tonino auf den staubigen Weg gen Osten.

Die Muttersau

Anfangs führt ihn der Weg durch ein Waldgebiet und Tonino sieht vor lauter Bäumen den Horizont nicht. Aber Eicheln und Wildschweine. Eine Muttersau mit frisch geborenen Jungtieren, denn wir haben gerade Mai. Sieben Stück an der Zahl entdeckt er, wollig und gestreift, und sie haben gerade das Geburtsnest verlassen. Tonino hat keine Lust, mit der an die sechzig Kilogramm schweren Sau näher Bekanntschaft zu machen und sammelt schnell einige Eicheln auf. Die vom letzten Herbst und die, die noch gut sind. Man weiß ja nie. Etwas später entdeckt er eine Quelle, die zu einem Wasserfall führt und dieser zu einem verwunschenen Tümpel zwischen mächtigen Felsen. „Gebadet hab ich an Kirchweih“, denkt er sich, und streckt seinen Zeh ins eiskalte Wasser. „Sakra, das ist aber unchristlich“. Nun gut, es gibt ja noch die Höhle vom Eremiten. Der ist aber nicht da und Tonino hätte ihn gerne nach dem Meer gefragt. Quasi-Heilige wissen alles. Gegen Abend erreicht der Jüngling Torre de´Passeri mit der nahen Abtei San Clemente a Casauria. Aber da ist ja sein Vater und dem will er jetzt nicht über den Weg laufen. Jetzt nicht, denn er will zum Meer. Also legt er sich unter einen Dornenbusch schlafen. Da ist er von den Tieren des Waldes geschützt. Und vor Schurken auch.

Die Kirche auf dem Tarignihügel

Am nächsten Morgen erwacht er, weil die Sonne blinzelt und ihn außerdem ein neugieriges Reh beäugt. „Das Meer“, schießt es ihm durch den Kopf und er ist hurtig auf den Beinen. Nun lichtet sich der Wald und eine Hügellandschaft wartet. Sie öffnet sich weit gegen Osten und in die Welt. Hungrig erreicht er Scafa, ein schmutziges Fleckchen Erde, und eine alte Frau schenkt ihm ein Stück Brot. „Das kann ja heiter werden“, denkt er sich, denn das Meer ist immer noch nicht zu sehen. Aber ein Ochsenkarren, der sich Richtung Manoppello müht. Vom Dörfchen Manoppello hat Tonino zwar noch nie etwas gehört, aber der nette Mann mit seinen beiden Zugtieren und der Ladung Eichenfässer will dahin. Außerdem belebt sich die Straße, stolze Reiter mit ihren Pferden streben dahin, ganze Horden von zerlumpten Gestalten und einige Priester. „Ist Manoppello am Meer?“, will Tonino wissen. „Nein, aber das Volto Santo ist da“, sagt der Gütige, „in der Kapuzinerkirche“. „Was soll ich mit dem Heiligen Antlitz und was ist das?“, bohrt es sich in Toninos Kopf. Tatsächlich, in Manoppello angekommen, ist die Hölle los. Halb Italien drängt sich in die Santuario del Volto Santo, die damals noch nicht diesen Namen trug. Aber auf jeden Fall in die Kirche auf dem Tarignihügel. Der größte Ansturm findet auf eine dunkle Seitenkappelle statt und da ist es, das hauchzarte Tuch aus Muschelseide, sorgfältig über einen Rahmen gespannt. „Das ist der Abdruck des Gesichtes von Jesu Christi“, raunt ein kleines Mädchen Tonino zu, „und es kommt direkt aus Jerusalem“. Tonino ist beeindruckt und er drückt der Kleinen dankbar eine Eichel in ihre schwitzende Hand. Aber wo ist das Meer, um Gottes Willen?

Es wird Morgen

Gegen Rosciano hin reiht sich ein braungebrannter Hügelzug an den andern und es ist so wie in der Sahara, von der Tonino natürlich noch nie etwas gehört hat. Nicht so trocken, aber so unendlich hüglig. Jetzt wusste er, was Padre Savonarola mit „und noch einer und noch einer“ gemeint hat: die Horizonte. Schon klar, alle Wasser führen ins Meer und sie haben die Landschaft zu Horizonten zerfurchtet und zum Meer will Tonino ja. „Porco Dio“, sagt sich der junge Mann und ärgert sich etwas. Aber es ist schön, immer wieder neue Horizonte zu sehen. Bis jetzt sind es bestimmt 2.156. Und wenn man hundert Meter weiter nach rechts oder nach links geht, sind es sogar noch mehr. Es wird Nacht und dann wieder Morgen. Tonino wandert und wandert, zupft sich eine Haselnussrute vom Baum und ist fröhlich. Ja, er ist sogar so fröhlich, dass er mit seiner Gerte die eine oder andere lästige Fliege in der Mittagshitze treffen will oder sogar eine fette Hummel. Aber nicht die Schmetterlinge, denn die gibt es jetzt noch nicht. Kleine Echsen begleiten ihn eine kurze Wegstrecke und manchmal ist diese auch versperrt durch blökende Schafe oder wiederkauende Kühe oder störrische Esel. Es wird Nacht und wieder Morgen. Und dann wieder Nacht und wieder Morgen.

Es wird Nacht

Du heiliger Bimbam, wo ist das Meer? Es geht weiter in dem mittelalterlichen Städtchen Moscufo oder im Beitrag Das Meer und die Sehnsucht nach den Abruzzen.

mhgruen Das sind ja wieder tolle Bilder!

Lenz Allen einen schönen Dank.

Giulia y los Tellarini - Kammgarn - Schaffhausen

Baumgartenstrasse 19, KIK Kultur im Kammgarn, 8200 Schaffhausen

29-01-2012

Ins Kulturzentrum Kammgarn in Schaffhausen gehe ich eigentlichen selten und oft bin ich enttäuscht. Diesmal hat sich mein Besuch aber unerwartet gelohnt. So unerwartet, dass ich noch nicht mal meine Kamera dabei hatte. Das Musikensemble “Giulia y los Tellarini” aus Barcelona war für mich eine Neuentdeckung von quicklebendiger Musik zwischen Salsa, Bossanova, Flamenco, Chanson und selbst ein wenig Jazz. Das hört sich unmöglich und etwas banal-folkolorehaft an, wie der Name der Gruppe. „Giulia“ ist aber der Vorname der Sängerin mit einer italienischen Mutter und einer französischen Großmutter. Und „Tellarini“ ihr Nachnahme. Giulia singt Texte in Spanisch, Englisch, Französisch und Italienisch und sie sind frech und bisweilen ziemlich ironisch. Diese Wirkung hat aber auch mit der Gesangs- und Bühnenkunst der Frontfrau zu tun. Die zierliche Sängerin, die bisweilen in wallenden Gewändern auftritt, bewegte sich meist rasant schnell und bisweilen lasziv schmachtend. Die abstruse Gestik ihrer Arme und Hände war diesmal in ihrem Kleidchen mit gepolsterten Schultern und kurzem Unterteil wohl noch köstlicher als sonst. Sie wirkte auf mich wie ein Pagliaccio der Commedia dell’arte. Ein wahrhaftiger Clown war sie, wie sie auf ihren hochhakigen Schuhen zwischen den Musikern hin- und hertrippelte und sich dann wieder an ihr Mikrofon schmiegte. Aber ihre Stimme ist die eigentliche Sensation. Meist war sie kehlig oder tief, beinahe männlich. Aber auch mädchenhaft und dann wieder jubilierend hoch. Sie spielte mit ihren Texten und in Zwischenbemerkungen auch mit dem Publikum.

Die Musik von Giulia y los Tellarini: Klar, schmachtend, virtuos

Nun möchte man glauben, ich hätte mich total in die Sängerin verliebt. Das stimmt. Aber die Musiker der siebenköpfigen internationalen Gruppe mit aktuellem Heimatort Barcelona waren nicht weniger attraktiv: Alejandro Mazzoni (bass, perc), Jens Neumaier (git, e-git, charango), Maik Alemany (git, charango, mandoline), Olga Abalos (sax, fl), Xavier Tort (tr), Camilo Zorrilla (perc). Besonders gut gefallen hat mir Alejandro Mazzoni, der Mann mit dem Bass aus Buenos Aires. Oder Jens Neumaier, der seine Gitarre bisweilen wie Ry Cooder mit dem Buena Vista Social Club spielte. Oder und ganz besonders Olga Abalos, die Saxophonistin. Sie wirkte in ihrer Kleidung erst wie die Schülerin eines katholischen Mädcheninternats, entwickelte sich dann aber als wahre Furie. Dass die sechs Mitmusiker von Giulia durchaus auch alleine bestehen könnten, zeigten sie in einem Instrumentalstück nach der Pause. Es war eine sehr leise und langsame Komposition, die jedem Jazzmusiker Paroli bot. Giulia kam dann trotzdem wieder, erst ausstaffiert wie ein Leutnant der spanischen Marinegarde. Später war sie dann aber ganz wieder die Femme fatale mit Kopfschmuck der Zwanziger Jahre.

Richtig bekannt wurden „Giulia y los Tellarini“ durch eine Filmkomödie von Woody Allen: Vicky Cristina Barcelona. Diese spielt zu größten Teilen in Barcelona mit der Dekoration der Bauwerke von Antoni Gaudí. Woody Allen, der sich zur Zeit der Dreharbeiten in einem Hotel in Barcelona aufhielt, wurde ein Demotape der Band zugespielt und er soll sich spontan entschlossen haben, den Titel Barcelona als Filmmusik zu verwenden. Das scheint wohl das Glück der Tüchtigen gewesen zu sein.

bb-dd Danke für Bericht und Link, Lenz-die beschwingte Musik und dazu die schönen Szenen aus meiner Lieblingsstadt..Das sagte mir, genau im richtigen Moment:
NOCH 3 WOCHEN!!

Lenz Dann schönen Urlaub, bb-dd.

Januarspaziergang - Schaffhausen

Warthaustrasse, Buchthaler Wald, 8203 Schaffhausen

15-01-2012 (atualizado em 18-01-2012)

Der Buchthaler Wald ist ein Erholungsgebiet, das nordöstlich von Schaffhausen an das Gemeindegebiet von Büsingen grenzt. Büsingen ist übrigens eine am nördlichen Rheinufer gelegene deutsche Exklave mitten im Schweizer Hoheitsgebiet. Obwohl die Büsinger weiland bei einer Rheinschiffsfahrt des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke mit Transparenten am Ufer harrten, auf denen stand „Deutschland hat Büsingen vergessen“, würden sie nun lieber zur Schweiz gehören. Wen wundert´s, bei dem Euro-Desaster. Bundespräsident hin oder her, Bundespräsident Lübke hat charmant gelogen, der neue eher dämlich. Davon wollte ich aber nicht berichten, sondern von meinen Spaziergängen im Buchthaler Wald. Sie befreien meinen Kopf in winterlicher Stille von allem Blödsinn und ab und zu denke ich sogar nach. Auch über Blödsinn, aber das bleibt ja nicht aus. Währendem mein Schritt über hart gefrorene Böden führt und mich das wundervoll poetische Bild klar gezeichneter Baumverästelungen gegen den bleifarbenen Himmel verzaubert, denke ich über meine Vorsätze zum neuen Jahr nach. „Weniger arbeiten und mehr Geld verdienen“ ist ja mein beliebtester öffentlich geäußerter Spruch. Das denke ich aber nicht wirklich.

Der Weg zum Buchthaler Wald: Gefroren und schön geschwungen

Meine Vorsätze gehen tiefer. Ich will einfach mehr zur Ruhe kommen. Das fällt in der Gegend, wo Wurst und Würstchen sprießen, das Fleisch und das Gemüse gesund sind, der leichte Landwein köstlich und jeder Koch ein Naturtalent ist, leicht. Es gibt intellektuell keine großen Herausforderungen. Die Kulturszene ist überschaubar, aber nicht langweilig. Es gibt keinen Rummel. Man kann sich in Ruhe zurücklehnen. Zu dröge? Keinesfalls. Nicht nur der Buchthaler Wald, die ganze Gegend mit ihren Menschen, führt zurück zu den Basics. Gut essen, aufrecht leben, wahrhaftig sein. Was juckt einen die ganze Aufgeregtheit? Ich brauche selten ein mobiles Telefon. Ich bin nicht abhängig von Facebook oder Twitter. Auch nicht von Qype. Diese ganze künstliche Scheiße kann mich mal. Soziale Netzwerke sind nur so gut, wie die Freunde, die man da hat. Und wirkliche Freunde im Netz gibt es wie im wahren Leben selten.

Eine Bank beim Buchthaler Wald: Zu kalt für eine Rast

Oppela, da hat doch ein Vöglein etwas Schnee von den Bäumen gewirbelt. Das bringt mich auf neue Gedanken. Vielleicht sollte ich meine Schreibfaulheit hier überwinden und trotzdem ab und zu etwas zur Community beisteuern. Aber ich bleibe dabei: Die Realität ist besser als das Gefasel im Internet. Der direkte Kontakt mit Menschen, das Horchen auf ihre Stimmlage, das Beobachten ihrer Gestik, ist besser als jedes Zweitleben. Aber das wissen wir ja.

Verschneiter Strauch beim Buchthaler Wald: Ein Bild wie im Märchen

Lenz Recht hast du, Limoncina. Spaziergänge mit ein wenig Nachdenklichkeit sind großartig. Du bist in deinen darüber geschilderten Beiträgen das beste Beispiel dafür. Niemand ist wirklich abhängig von sozialen Netzwerken im Netz. Von andern realen Netzwerken schon. Aber ich gebe gerne zu, dass mir die Freundschaft mit virtuellen Menschen wichtig ist. Oft ist es ja so, dass man gut spürt, wie der schreibende Mensch ist. Und wenn man sie real kennen lernt, ist man selten enttäuscht. Beim Schreiben von gedruckten Büchern oder Zeitungsartikeln gibt es ein Feedback eher selten. Im ersten Fall durch Briefe an den Autor oder durch Leserbriefe an die Zeitung. Aber auch das kommt vor.

lokalreporter, ich verstehe dich gut. Du warst einer der ersten auf Qype, die mir das Sinnvolle des Webdaseins schmackhaft gemacht haben. Ich bin mir sicher, wir treffen uns mal im wirklichen Leben. Berlin ist momentan für mich etwas weit und die Kronenbar für dich auch. Aber man weiß nie. :o

meme … eine treue Seele – das trifft es wirklich, lieber lokalreporter – den Eindruck hatte ich vor Jahren und habe ihn heute noch :)

Und genau das macht auch für mich dieses Netzwerk wertvoll – liebe Menschen, die sich virtuell immer wieder (mal mehr mal weniger) über den Weg laufen, mit denen man streiten und sich freuen kann, die Bestätigung geben und Kritik üben – und die man manchmal sogar persönlich kennen und schätzen lernt.

Ein Ersatz für persönliche Netzwerke ist das natürlich nicht (das wäre fatal), eine wunderbare Bereicherung schon.

Dörrbohnen mit geräuchertem Rippli und Salzkartoffel - Schaffhausen

Stüdliackerstrasse 4, Migros Herblingen, 8207 Schaffhausen

18-12-2011

Brutzeln für Unbedarfte: 12)

Neulich habe ich mich bei dem Rezeptvorschlag unserer Serie Brutzeln für Unbedarfte stark durch einen letzten, warmen Herbsttag verführen lassen. „Insalata di Fagioli e Tonno“ erinnert ja an Sommerküche. Nun steht der Sinn aber ganz nach einem Wintergericht: Dörrbohnen mit geräuchertem Rippli und Salzkartoffeln. Es ist kein Zufall, dass ich die gedörrten Bohnen an erster Stelle im Titel nenne. Ein ähnliches Gericht – Bohnen mit einem Rollschinkli – hatte ich ja schon einmal beschrieben. Damals waren es aber grüne Bohnen und seitdem träume ich von Dörrbohnen. Warum? Sie schmecken wesentlich intensiver und erinnern mich außerdem an die Kindheit. Meine Mutter dörrte oder trocknete Bohnen aus dem Garten in der Hitze des Dachbodens. Schön auf Zeitungspapier ausgelegt und später in Tuchsäcklein gepackt. Dörren allgemein ist eine fabelhafte Konservierungsmethode, die schon die Menschen im Mittelalter kannten. Heute gibt es diverse Methoden dazu, selbst Dörrgeräte, die elektrisch betrieben werden. Dörrbohnen kann man aber auch im Supermarkt kaufen, selbst wenn sie die Qualität der mutterschen gedörrten Gartenbohnen nie erreichen. Trotzdem, ich habe welche gekauft. 100g. Die reichen für vier Personen.

Dörrbohnen: Schrumpelige Dinger aus dem Supermarkt

Dörrbohnen: So fotografiert erinnern sie mich an Mutters Gartenbohnen

Gedörrte Bohnen gut eingelegt: Das Bad für die Nacht

Der Spaß beginnt schon am Vorabend. Sie legen die Bohnen in eine Schüssel und bedecken sie gut mit Wasser. Im Kühlschrank quellen sie dann über Nacht. Die Kochprozedur am nächsten Tag beginnt mit dem geräucherten Rippli, das in meinem Fall ein schönes Nierenstück vom Schwein war. Auch für vier Personen. Das wird in Wasser zirka 45 Min. gekocht. Natürlich verlangt es ganz unbescheiden nach einem Rosmarinzweiglein. Oder auch zweien. Gute Gesellschaft ist Pflicht. Da mein Rippli in der Vergangenheit oft zu trocken geraten ist, erinnerte ich mich an den Rat eines Metzgermeisters vom Stammtisch: „Achte nicht unbedingt auf die Uhrzeit, sondern probiere beizeiten eine Tranche“. An den Enden ist das Rippchen ja eher durch und wenn die erste Scheibe noch schön saftig und etwas rosa ist, kann man den Rest getrost bei ausgeschalteter Flamme etwas ziehen lassen. Aber noch ist kein Platz für „dolce far niente“. Die Salzkartoffeln werden in appetitliche Würfelchen geschnitten und in ordentlich Salzwasser gekocht. Nun zu unserem Star, den Dörrbohnen: Sie werden natürlich ebenfalls gekocht. Mindestens so lange wie die Kartoffeln. Ich schütte sie mit einem Rest des Einlegewassers in den Topf und füge etwas Gemüsebrühe und Bohnenkraut dazu. Dann wartet man bis die Flüssigkeit deutlich reduziert ist und vermengt danach die gekochten Dörrbohnen mit in Butter angeschwitzten Zwiebelwürfelchen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Auch die abgegossenen Kartoffeln vertragen etwas Butter. Einen zarten Schmelz.

Eine ehrliche Kartoffel: Der liebevolle Begleiter zu den Bohnen

Hoppela, das Rippli: Es hat die Kochprozedur schön saftig überstanden

Das jüngste Gericht: Rippli mit einem Kranz von Dörrbohnen und Kartoffeln

Das, was nun folgt, ist einfach: Alles schön abgeschmeckt anrichten. Um die Dörrbohnen zu ehren habe ich sie für das Foto in einem Kranz um die Ripplischeiben gelegt. Mir war gerade so danach. Übrigens: Sollten Sie nicht zu viert essen bleiben vermutlich Bohnen übrig. 100g gedörrte Bohnen sind reichlich. Aber die kann man am nächsten Tag mit etwas Butter aufwärmen und sie als Beilage für ein anderes Gericht verwenden. Sie sind genau so köstlich wie am Vortag. Der Rest des Ripplis eignet sich kalt gut für eine Brotzeit. Oder sogar als Bestandteil einer Spaghettisoße. Lachen Sie nicht. Das schmeckt.

jurgenehre Hier brutzelt’s noch im Neuen Jahr..l. Prosit! lach!

Lenz Du spielst auf meine Schreibfaulheit an, lieber Jürgen. Recht hast du. Aber ich qype ja schon sehr lange und manchmal fehlt einfach die Zeit. Ebenfalls prosit.

Jahrmarkt im Herbst - Steckborn

Seestrasse 126, 8266 Steckborn

04-12-2011 (atualizado em 16-12-2011)

Das gute alte Kettenkarussell: Fliegen am Untersee

Jedes Jahr findet in Steckborn, wie in vielen kleineren und größeren Städtchen und Dörfern nicht nur der Schweiz, der Jahrmarkt statt. Es ist ein Ereignis höchster Wichtigkeit und nicht zu verwechseln mit dem Weihnachtsmarkt. Der findet in Steckborn auch statt. Nur später. Jahrmärkte gibt es seit dem Mittelalter und das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten, wurde früher von ordinären Landesherren, Grafen, Königen oder sogar Kaisern verliehen. Steckborn muss früh das Marktrecht besessen haben, denn schon 1313 erhielt das Örtchen am Untersee das Stadtrecht. Zu den mehrtägigen Jahrmärkten trieben früher die Bauern das Vieh in den Ort, um es zu verkaufen. Gewerke aller Art boten ihre Dienste oder Erzeugnisse an: Schmiede, Töpfer, Schreiner, Korbflechter, Tuchhändler etc. und wohl auch Kurtisanen. Ob es die in Steckborn gegeben hat, weiß ich nicht. Aber schon beim Konzil von Kostanz versüßten gerüchteweise über 1.000 leichtfröhliche Mädchen das Leben der Besucher. Und Konstanz liegt in der Gegend von Steckborn und das war 1414 bis 1418. Wie dem auch sei, lustig war es in Steckborn sicherlich. Vermutlich gab es auch zahlreiche Exponenten des Fahrenden Volkes: Gaukler, Wahrsager, Quacksalber, Musikanten und vielleicht sogar Bärenführer. Schaurig schön. Uaaaah. Die Historiker unter Ihnen mahne ich zur Vorsicht: Vieles hier ist nicht verbürgt, zumindest was Steckborn anbelangt. Aber interessant war es.

Autoscooter: Bei Jugendlichen immer der Treff für eine Romanze

Kinderkarussell: Nichts für harte Männer

Blechdosen treffen: Immer gut für die Aggression

Meine ersten Erinnerungen an den Jahrmarkt zu Steckborn sind nicht weniger aufregend. Es roch die Seestrasse hinauf und hinunter nach gebratenen Maronen, Zuckerwatte, gebrannten Mandeln und den aus Kartons geholten alten Kleider. Das alles gibt es immer noch, nur dass die Kleider nun nach Fernost riechen. Es gab im Hof des Restaurants Schwanen eine Tombola, auf der ich mal ein Huhn gewonnen habe. Es lebte im Garten bei den Nachbarn, legte keine Eier und als es im hohen Alter gestorben ist, taugte es noch nicht mal für die Suppe. Ich hoffe, diese Bemerkung wird aus dem Hühnerhimmel nun nicht so zickig kommentiert. – Sorry Berta – . Karussells und die Autoscooterbahn gab es natürlich auch. Das Rädchen mit den an Ketten hängenden Sitzen hat mich allerdings nie interessiert. Ich wollte früh erwachsen werden. Aber dem Autoscooter gehörte meine Leidenschaft. Schmierig tönte es aus dem Lautsprecher: „Einsteigen zur nächsten Fahrt bitte“. Dann galt es, das Gefährt mit dem schönsten Fähnchen an der Stromabnehmerstange zu erhaschen und wenn man Glück hatte, stieg die Angebetete mit ein. Lässig kurvte man herum und bei jedem Zusammenstoß gab es den einen oder andern frühpubertären Körperkontakt. Und blaue Flecken natürlich, die man abends in glücklicher Erinnerung liebevoll pflegte.

Das Brötchen zur Bratwurst: Vom richtigen Bäcker immer delikat

Heisse Maroni: Darf auf keinem Jahrmarktsbesuch fehlen

Kitsch für die Stube: Nett wie die Verkäuferin

Es hat mich sehr beruhigt, dass es auch heute immer noch den Autoscooter gibt, die Zuckerwatte, die Maronen, die gebrannten Mandeln und den Austausch mit Bekannten beim Bummel durch die Seestrasse. Auch die Bratwürste und gebratenen Servelats gibt es erfreulicherweise noch. Richtig interessant wird es aber anschließend im Restaurant Anker in einer Seitengasse zur Seestrasse. Da kann man die durchgefrorenen Füße aufwärmen und das eine oder andere gepflegte Gespräch führen. Mit dem letzten Berufsfischer aus Steckborn, dem Stadtammann, den kulturell Tätigen und den netten Damen der Gesellschaft.

Lenz Das mit den schwerfröhlichen Mädchen hast du natürlich richtig vermutet, Jürgen. Die braucht es schon, wegen der Fliehkraft. Über die Unterhöschen werde ich mich hier nicht auslassen. Das gebietet mein Anstand. :o Aber zu den blauen Flecken stehe ich. Ja, bald ist Weihnachten und dann kommt schon das Neue Jahr. Plötzlich und unerwartet wie immer.

jurgenehre :=))))!

Flieg´ mit dem Wind - Fouras

Avenue du Bois Vert, Poitou-Charentes, 17450 Fouras

27-11-2011

An der Atlantikküste Frankreichs, da wo der Wind vom Meer her stetig weht, die Grashalme sich ducken und die Haut immer ein wenig salzig ist, hatte ich vor einigen Jahren ein Erlebnis der besonderen Art. Bei schönstem Abendlicht. Der Wind arbeitete mit seiner ganzen Kraft und es war – obwohl Spätsommer – merklich kühl. Das machte aber nichts. Unsere Wangen glühten und der Kreislauf war angeregt. Wir waren mit einer kleinen Gruppe Mittagessen, in einem dieser fabelhaften Fischrestaurants in freier Natur irgendwo an der Küste. Sporttaucher saßen in einer Ecke des von Neon hell erleuchteten Etablissements und verdrückten selbst erjagte Köstlichkeiten aus dem Meer, die ihnen die Köchin gnädigerweise zubereitet hatte. Wir hatten Hunger und ich bestellte mit jemanden aus der Runde den alternativen Kick: Eine modellartig kleine Holzbarke, mit Eiswürfeln gefüllt und über und über beladen mit maritimen Köstlichkeiten. Strand- und Wellhornschnecken, Miesmuscheln, Venusmuscheln, Austern, Taschenkrebse, Garnelen, Krabben, Langusten, Hummer und vieles mehr. Roh oder gekocht. Je nach Verträglichkeit. Meine Augen gingen über und was dann folgte war eine köstliche Schlacht. Vieles konnte ich gar nicht bestimmen, aber es gab eine Batterie von Bestecken, links und rechts des Tellers aufgereiht: Feine Pieksnadeln für die Schnecken. Für anderes Löffel, Gabeln, Zangen und andere Marterwerkzeuge. Dr. Hannibal Lecter – der aus „Das Schweigen der Lämmer“– hätte seine helle Freude daran gehabt. Ich habe gearbeitet wie noch nie in meinem Leben. Und natürlich hatten wir die Köstlichkeiten ordentlich runtergespült, mit einem leichten und frischen Weißen. Nicht nur der Fisch muss ja schwimmen.

Das Gänschen im Abendlicht: Kühn und flugversessen

Nach einem kleinen Kaffee und einem guten Armagnac als Begleitung fuhren wir Richtung Heimat, das heißt zu unserem Feriendomizil im Hinterland von Bordeaux. Was dann folgte war das eingangs angedeutete Erlebnis der besonderen Art. Also, ganz nüchtern war ich nicht und so kam mir das Bild, das sich mir bot, wohl noch malerischer vor. Nordwestlich von Rochefort – und weiter gedacht nördlich von Bordeaux, nahe der Réserve Naturelle de Moëze-Oléron – lag ein Hügelzug und darauf drehten sich wohl Hunderte Windräder auf langen Stangen. Keine zur Stromerzeugung, sondern kleinere zur Fantasiebildung. Nehmen Sie die Anzahl nicht so ernst und auch die Ortsangabe ist ziemlich ungefähr. Ich war euphorisiert, aber das Bild hat sich in meine Erinnerung wie ein Märchen eingegraben. Da ich damals wenig fotografierte, müssen Sie mit meiner Beschreibung Vorlieb nehmen. Es war ein veritabler Windpark von in der Brise sich heftig drehenden Fabeltieren aller Art. Meist Vögel. Aus Sperrholz geschreinert und bunt bemalt. Die Stangen steckten dicht an dicht und malerisch verteilt auf dem Hügel. Die Abendsonne glühte noch etwas und meine Wangen auch. Ich schrie auf einem der billigen Plätzen im Auto: „Halt, das muss ich sehen!“ Damit meinte ich einen Holzschuppen, der am Fuße des Hügels lag. Tatsächlich, es war eine Alchemiewerkstatt mit einer kleinen Bandsäge, einer Drehbank, unzähligen Sperrholzstücken, Kartonformen, Stangen und natürlich Farbtöpfen. Und einem etwas älteren Mann. Es roch geheimnisvoll nach Sägestaub, Salz und Ölfarbe. Da hatte sich ein Mensch mitten auf dem nicht so platten Land ein kleines Reich geschaffen. Und eine grandiose Verkaufsidee dazu. Um es kurz zu machen, der Mann verwickelte mich in einfühlsam geführte Verkaufsgespräche. Ich wollte aber unbedingt aus der großen Auswahl an Getier MEINE Graugans haben. Keine Ahnung, ob es eine Graugans sein soll. Ich nenne sie aber so: „Mein Gänschen“. Zurück im Feriendomizil war der Abendtisch von der Hausherrin liebevoll gedeckt. In einer Scheune. Der Tisch war bankettartig lang, mit einem weißen Tischtuch und einer Dekoration aus Efeugirlanden. Es gab Spaghetti mit Muscheln. Ich hatte keinen Hunger und betrachtete liebvoll mein Gänschen auf den Knien.

Der Flugplatz: Im Sommer von der Sonne beschienen, im Winter tief verschneit

Heute trotzt die Gans den Winden auf meinem Balkon. Jedes Jahr werden die Gelenke frisch geölt. Bei Windstille ist sie schlapp. Aber kaum kommt ein Lüftchen auf, fängt sie sich lustig an zu drehen. Bei Sturm fliegt sie unglaubliche Drehmomente und im Winter hat sie ein Hermelinfell aus Schnee. „Flieg´ mit dem Wind“, denke ich dann.

Die2Mädels also das Bild hat was

Lenz Ja, nicht, Mädels? Im Bildanhang gibt es noch die komplette Figur.

Kinder kochen für Senioren - Schaffhausen

Hochstrasse 291, Quartiertreff Silvana, 8200 Schaffhausen

19-11-2011

Die Meisterköchinnen vom Quartiertreff Slivana: Ein Ausschnitt aus der Einladung

Anita Leupi von der Quartier- und Jugendarbeit Hochstrasse und Nina Dummel von der Zentrale der Jugendarbeit Schaffhausen haben eine im wahrsten Sinne köstliche Idee gehabt. Im Quartierstreff Sivana auf der Hochstrasse kochten die Meisterköchinnen Ines, Samira und Vanessa für eine Gruppe reizender Senioren. Ines, Samira und Vanessa werden Ihnen weder aus Kochshows noch aus Gourmettempeln bekannt sein. Sie sind Schülerinnen im zarten Alter und dafür schon ganz schön frech. Aber auch talentiert und neben ihrer Ungezwungenheit auch überraschend höflich. Unter Anleitung von Anita und Nina hatten sie zum Galadinner, bestehend aus drei Gängen, geladen. Das ließen sich die Senioren, die vorzugsweise oberhalb der Hochstrasse wohnen, nicht entgehen. Ines, Samira, Vanessa und ihre Freundinnen wohnen vorzugsweise unterhalb der Hochstrasse. Die Senioren sind ehrwürdige Schweizer und einige wenige von ihnen vor vielen Jahren aus Italien zugezogen. Ines, Samira, Vanessa und die meisten Jugendlichen im Silvana sind Zuwanderer, wenn auch in der Schweiz geboren. Darauf sind sie stolz. Diese Symbiose von Alt und Jung funktioniert nicht? Doch, und zwar ausgezeichnet.

Das Silvana: Ein Hort der Gastlichkeit

Kühne Handschrift auf der Wandtafel: Einladung mit Herz

Der Sicherungskasten: Herd und Beleuchtung voll auf Flamme

Als ich durch Nina Dummel von diesem Begegnungsessen erfuhr, war ich hin und weg. Richtung Hochstrasse. Was für eine schöne Idee! Da musste ich dabei sein und ich wurde prompt von Frau Leupi und Frau Dummel eingeladen. Natürlich war ich zeitig vor dem eigentlichen Essen da, denn mich interessierte alles. Das Menue hatten die drei Meisterköchinnen unter sachter Anleitung wohl selbst ausgesucht. Zum Apero gab es Bruschetta. Köstlich. Natürlich mit etwas Knoblauch. Aber nicht zuviel. Ines, Samira und Vanessa sind rücksichtsvoll. Später gab es Spaghetti, wahlweise mit den Soßen Carbonara oder Tomate. Der Einfachheit halber mit Weiß oder Rot bezeichnet. Köstlich, köstlich. Und zum Dessert gab es ein feines Eis, wiederum wahlweise mit Erdbeer- oder Schoggisoße. Die kühn aus der Plastikflasche. Köstlich, köstlich, köstlich. Alles wurde von Ines, Samira und Vanessa mit großem Eifer und mit viel Spaß und Liebe zubereitet. Es wurde geschnibbelt, gebrutzelt und gerührt. Es wurde Parmesan gerieben und der Tisch wurde schön eingedeckt. Natürlich hat Nina den einen oder andern Erwachsenentipp gegeben. Klar doch.

Die Kochmützenanprobe: Meisterköchin mit Nina

Der Spaghettitopf: Kochen für Senioren

Der freundliche Mitarbeiter von der Quartier- und Jugendarbeit: Vor ihm eine Köchin schnell wie der Wind

Aufräumen muss sein: Ordnungsdisziplin für Meisterköchinnen

Als Die Senioren pünktlich eintrafen, waren auch plötzlich alle Freundinnen von Ines, Samira und Vanessa da. Die Kids begrüßten die reizenden Damen und Herren aufs Unterhaltsamste und servierten, dass es eine wahre Freude war. Übrigens immer von der richtigen Seite. Den Senioren hat es offensichtlich geschmeckt. Beim Espresso sinnierte ich über den Sinn des Ganzen. Ältere Leute sind oft allein und sie brauchen einen Anlass, um aufzutauen. Kindern macht es Spaß, Verantwortung zu übernehmen. Und mir sind alte Menschen und Kinder eh sympathisch. Ich kann mit der Generation dazwischen eigentlich nicht viel anfangen. Warum? Die ist so brutal zielgerichtet und hektisch karriereorientiert.

Die reizende Seniorin: Hungrig und milde

Der ältere vornehme Herr: Der Schalk im Nacken

Die Dame mit Anstand: Abgeklärt und lebenserfahren

Die lustige Rasselbande: Kochtalente für Meisterleistungen

Ach so, und gesungen wurde auch noch. Und noch mal ach so: Da ich nicht leeren Händen kommen wollte, hatte ich einen Stapel von einem wunderschönen Märchenbuch als Geschenk mitgebracht. „Schokobär und Marzihäschen“, geschrieben von meinem Freund Axel Dahm, schien mir in der Vorweihnachtszeit passend. Geht es darin doch um Schokolade, Marzipan und einen Zuckerbäcker. Und um einen brummigen Bär und ein niedliches Häschen. Und natürlich um Schurken. Die Kids im Silvana sind wohl schon zu alt dafür. Die mögen coole Rapper und keine netten Märchenonkel. Aber den Senioren hat „Schokobär und Marzihäschen“ äußerst gut gefallen. Sie schenken das Buch ihren Enkelkindern. „Schokobär und Marzihäschen“ und ein weiteres Märchen von Axel Dahm können Sie übrigens komplett lesen und hören. Klicken Sie einfach hier.

meme … das ist lieb von Dir :))
Die vier von der Kochstelle versprühen aber auch wirklich riesig viel Charm und “Spass an der Freud”, wie der Kölner sagen würde. Dagegen anzutreten dürfte schwer sein.

Lenz Vielleicht gewinne ich sie ja als Beiköchinnen. Mal schauen. :o

Der Flug zum Mars oder Mars 500 - Moscou

Khoroshevskoye shosse 76, Institut für Biomedizinische Probleme, 123007 Moskva

11-11-2011

Am 4. November 2011 haben mich die Nachrichten kalt erwischt. Mars 500 war gelandet und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Wusste ich doch von diesem Projekt, das am 3. Juni 2010 gestartet wurde. Da wurden sechs Freiwillige von der russischen Weltraumagentur Roskosmos und der europäischen ESA in einen Komplex eingeschlossen, indem das Verhalten unserer wohl höchsten Spezies, dem Menschen, während 520 Tagen getestet wurde. Diese Zeit braucht man vermutlich, um mit heutigen Antriebstechniken zum Mars und wieder zurück zu kommen. Werden sich die Besatzungsmitglieder mit einem Tagesgehalt von 120 Euro verhalten wie Tiere? Vielleicht wie Menschen? Wobei mir der Unterschied da manchmal nicht klar ist.

Zurück zu meinem schlechten Gewissen: Ich hatte die kasernierten Astronauten schlichtweg vergessen und nachgerade bin ich froh, dass ein Projektleiter oder vielleicht sogar der Hausmeister im Institut für Biomedizinische Probleme in der Nähe von Moskau – da fand der Wahnsinn statt – nicht ganz so nachlässig war. Die Landungstür für die sechs Männer – Romain Charles (Frankreich, 31 Jahre, Ingenieur), Suchrob Kamolow (Russland, 32 Jahre, Chirurg), Alexei Sitjew (Russland, 38 Jahre, Ingenieur), Alexander Smolejewski (Russland, 33 Jahre, Allgemeinarzt), Diego Urbina (Italien, 27 Jahre, Ingenieur) und Wang Yue (China, 27 Jahre, Taikonautenausbilder) – wurde geöffnet und die Befreiten strahlten ganz gruppendynamisch. Wow! Glück gehabt.

Foto vom Roten Planeten, kreiert von der NASA und der ESA mit dem Hubble-Weltraumteleskop. Das Bild ist gemeinfrei

Man mag über Sinn oder Unsinn dieses 15-Millionen-US-Dollar-Projekts denken wie man will, interessant war es schon. Bei einem Vorläuferprojekt kam es nämlich in der Neujahrsnacht 2000 zu Prügeleien zwischen russischen Gruppen und ein Ruski versuchte sogar eine Kanadierin gewaltsam zu küssen. Diesmal war es ruhiger, denn statt Frauen war wohl der Playboy mit an Bord. Wenig medizinisch relevant war der Test wohl auch durch die Tatsache, dass die Schwerelosigkeit und eine vermutete Strahlenbelastung fehlten. Also ein Spiel in unserm kleinen planetaren Sandkasten. Aber die vier Module der Raumstation boten ordentlich Abwechslung. Langeweile ist wohl das Schlimmste auf einem interplanetaren Flug. Im Medizin- und Forschungslabor wurde auf 38 Quadratmetern ordentlich gewerkelt. Im Wohnmodul von 72 Quadratmetern durfte geschnarcht und wohl auch getanzt werden. Ein Vorratsmodul von 94 Quadratmetern bot reichlich Essen und Verbrauchsmaterial. Letzteres bestand wohl nicht nur aus Klopapier und Ersteres bestand aus abgepackten Rationen. Das stelle ich mir besonders schlimm vor, denn ich bin mir sicher, dass ein köstlicher Wurstsalat oder ein ordentliches Gnagi nicht dabei waren. Aber ich will ja auch nicht zum Mars und außerdem bin ich zu alt dafür. Essen ist, nebenbei gesagt, die Erotik des Alters und somit hätte ich die Kanadierin nur auf eindeutige Aufforderung geküsst. Den Vogel abgeschossenen haben die Planer mit dem Mars-Modul. Auf 39 Quadratmetern wurde ein Marsboden simuliert mit einem künstlichen Sternenhimmel darüber. Habe ich nicht vorhin vom Sandkasten gesprochen? Schade, dass dieser Bereich nur für strikte 30 Tage zugänglich war. Zwischen der Kanadierin und mir hätte es dann unter dem Firmament bestimmt gefunkt. Aber die war bei Mars 500 ja nicht dabei und ich auch nicht.

Apropos funken: Interessant war die Kommunikation zwischen Marsflugkörper und Mutter Erde. Es wurde tatsächlich gefunkt und auch gemailt. Allerdings je nach gedachter Entfernung zur Bodenstation während der Reise mit bis zu 20 Minuten Verzögerung. Meine Nachricht „Ich habe ein bezauberndes Gedicht geschrieben“ oder „Ich habe die Kanadierin geknackt“ wäre somit veraltet gewesen. Aber vielleicht auch nicht so wesentlich. Anders hat sich die Crew von Mars 500 verhalten. Sie mussten simulierte Notfälle meistern und ansonsten ähnliche Arbeiten wie auf der Raumstation ISS durchführen. Die Männer, die nach 520 Tagen aus dem All zurückkehrten, sind nun Helden der Wissenschaft. Allerdings ohne während des Flugs zu wissen, wer welche Flügelchen, BH´s und Höschen während der letzten Victoria’s Secret-Show getragen hat.

Siri danke, Lenz, für DEN hinweis!
ich hatte die typen auch schon vergessen :-( …
… und in den offiziellen medien kömmt so was ja kaum vor.

a bisserl info:
– (en) http://mars500.imbp.ru/en/index_e.html
– (ru) http://mars500.imbp.ru/index_r.html


– weitere clips auf DeinerTube

Lenz Danke für deine Hinweise, Siri, die ich teilweise kannte. :o

Bohnensalat mit Thunfisch - Schaffhausen

Hohlenbaumstrasse 79, Migros Breite, 8200 Schaffhausen

06-11-2011

Brutzeln für Unbedarfte: 11)

Recht besehen passt unser jüngstes Gericht der Serie Brutzeln für Unbedarfte eher in die sommerliche Jahreszeit. Und außerdem wird nicht gebrutzelt, sondern nur angerührt. Aber es gab bei mir doch noch einen schönen Herbsttag, der die wehmütige Erinnerung an Sommerfreuden weckte. Also machen wir uns an einen Bohnensalat mit Thunfisch, der Ihnen aus Italien als „Insalata di Fagioli e Tonno“ bekannt sein dürfte. Auch wenn die Küche kalt bleibt, wird der Salat unserer Serie gerecht, da er wirklich einfach zu zaubern ist.

Feinste Soisson-Bohnen: Grundlage für den Bohnensalat mit Thunfisch

Thunfisch aus der Dose: Der angenehme Begleiter zu den Bohnen

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, den Salat zuzubereiten: Man kann in den italienischen Feinkostladen des Vertrauens gehen und sich teure Borlotti-Bohnen und feinstes eingelegtes Thunfischfilet einpacken lassen. Oder man geht zur Migros – in Deutschland meinetwegen zu Aldi – um die Hauptzutaten dort aus dem Dosenregal zu nehmen. Tun wir mal so, als wären wir arme Studenten und suchten einen Ersatz für den berüchtigten Party-Nudelsalat. Eine mediterrane und einfache Köstlichkeit als Variante.

Zwiebelringe: Etwas Schärfe und Typik für einen mediterranen Salat

Peperoncini: Noch mehr Schärfe gegen die Langeweile

Also: Die Bohnen – hier waren es weiße Soisson-Bohnen – in ein Sieb schütten und gut mit Wasser abspülen. Den Thunfisch – allgemein ist der Thunfisch aus der Dose im eigenen Saft eingelegt qualitativ hochwertiger als der in Olivenöl – in einer Salatschüssel zerbröckeln und vorsichtig die Bohnen darunterheben. Das Verhältnis von Bohnen und Thunfisch sollte grob 2:1 sein. Mehr Bohnen. Nun geht es an die Marinade: Eine große Zwiebel oder zwei Schalotten längs halbieren und in feine Halbringe schneiden. Petersilie wäre auch nicht schlecht. Dann gut salzen und pfeffern und mit etwas Olivenöl und weißem Balsamico-Essig verrühren. Der Saft einer halben Zitrone oder Limette macht sich auch gut. Nun die Soße mit den Bohnen und dem Thunfisch vorsichtig vermengen. Matsche sähe Scheiße aus. Zirka 30 Minuten ziehen lassen und gegebenenfalls nochmals abschmecken. Da die Bohnen und der Thunfisch von Natur aus trocken und etwas langweilig sind, habe ich mit etwas mehr Öl und Essig und vor allem mit in feine Ringe geschnittenen roten Peperoncini nachgeholfen. Kein Rezept ist in Stein gemeißelt und etwas Frische und Schärfe tat dem Ganzen gut.

Der Thunfisch-Bohnen-Salat: Köstlich schmeckend und schnell zubereitet

Ein gutes Stück Brot: Mehr braucht es nicht zum Salat

Übrigens: Wie wir wissen, gehört der Thunfisch zu den gefährdeten Arten. Das nächste Mal werde ich an Stelle dessen geräucherten Schinken oder Speck nehmen. Das schmeckt bestimmt auch gut. Aber nur mit weniger Essig. Es ist vielleicht etwas kreativer und kein Schwein pfeift nach Rezepttreue.

P.S. Da das Rezept wichtiger als der Platz des Einkaufs ist, habe ich nun die Rezeptbezeichnung in den Titel gestellt. In meiner Serie werde ich ab jetzt immer so verfahren. Die Bezugsquelle der Zutaten ist trotzdem in den Angaben erhalten. Nur: Diese Zutaten gibt es überall.

meme … so war es auch nicht gemeint, lieber Lenz. Ich wollte nur meine Rezeptideen beisteuern zum *einfachen “Kochen”, das in diesem Fall ja eher einfaches und kreatives “Mischen” ist.
Und ganz ehrlich, ich mag Thunfisch, ich liebe saftig mageres Schweinefleisch und zarte Hühnerbrüstchen – immer noch – nur eben aus der Ferne ;-)

Lenz Großartige Idee, meme. Thunfisch mag ich trotz aller Bedenken auch. Aus der Nähe, beim Japaner. Aber demnächst werde ich wohl einige vegetarische Gerichte posten, die ich schon fotografiert habe. Hier aber ein vegetarischer Blog, der super ist. Besser als meine Vorschläge.
Zum großen Ganzen: Die industrielle Fleischproduktion kann man wohl nicht stoppen. Aber man kann zwielichtige Erzeuger als Konsument abstrafen. Durch Nichtkauf. Aber wem sage ich das.

Anteontem

04-02-2012

29-01-2012