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Inselglück - Bergen

Bergen

23-04-2010

Jeder hat sein Inselglück. Ich weilte vor Jahren mit einem Freund in seines Vaters Nordseeinselhaus in Norwegen. Zum Ende einer durchzechten Nacht entschieden wir uns, nicht wie Waschlappen oder Landratten schlafen zu gehen, sondern mit dem obligatorischen, aber schwachmotorisierten Metallboot, mit dem man zu Nachbars Insel zum Einkaufen schippert, rauszufahren, um zu fischen. Denn wir waren Männer, mittelschwer angesäuselt noch dazu.

Draußen war es noch dunkel und wir legten mit großem Ahoi ab. Ein wenig später sind wir wohl eingeschlafen, an Schnapsflaschen und Bordwände geklammert und behaglich wie ein Neugeborenes gewiegt. Irgendwann wachte einer auf, es war hell, aber eigentlich auch wieder nicht. Eine höllisch dicke Nebelwolke umgab uns…

Von dem Schrecken plötzlich ausgenüchtert, kommandierte mein Freund, der ja ein echter Wikinger war, das Ruder und steuerte uns in Richtung Insel zurück. Zumindestens dachte er das. Irgendwann am späten Vormittag lichtete sich der Nebel. Und siehe da, man sah nichts. Weit und breit ein Nichts! Selbst vorsichtig in der schaukelnden und offenen und sich im eiseskalten Meere verlierenden Nussschale aufgestanden, es war kein Land zu sehen!

Nun wussten wir nicht, in welche Richtung wir abgetrieben waren, vielleicht waren wir schon auf halbem Wege zum nächstbesten Mahlstrom oder nach Spitsbergen oder zum Nordpol oder, noch schlimmer, in die teuflische Barentsee, was geografisch natürlich unlogisch war, es wären eher die Orkneys oder Island gewesen. Also hätte ich mich nicht darüber aufregen müssen, dass wir keine Eisbärenflinte dabei hatten.

Der Wikinger, obwohl ich daran anfing zu zweifeln, dass er einer wäre – nur weil er Norweger ist, muss er noch lange kein seekundiger Wikinger sein. Wo war ich?, ach ja, der Wikinger (hah, lachhaft!) lenkte den Dünnblechnachen in eine Richtung, in der, er war sich ganz sicher, Land liegen müsste. Woher er diese findige Idee bekam? Vom Laufe der Wellen und der Strömung will er die bekommen haben. Wo ist die Küstenwache, wenn man sie mal braucht?

Zur Mittagszeit nun gewahrten wir kleine, hauchzarte Striche am Horizont. Sofort halsten wir und hielten auf sie zu. Warum, weiß ich nicht, es hätte die Antennenanlage eines Schlachtschiffes auf Kriegsfahrt sein können, das uns aus Spaß zur Probe seiner Feuerkraft mit leeren Cola- und Schmalzfleischdosen versenken würde. Aber der Landrattenwikinger proklamierte laut, während er sich ebenso schallend vor die skandinavische Stirn schlug, die Striche seien die Masten von Fischkuttern, die in die Hafenstadt fuhren, von der aus wir einst ins Inselreich per Fähre aufgebrochen waren.

Nach Stunden auf offener, unendlicher, windbetoster See glaube ich alles, warum gibt es sonst soviel Seemannsgarn? Also fuhren wir schnurstracks, wie ein Waffenoffizier seine Torpedolaufbahn berechnend, auf die Stelle zu, an der wir das Hafenkaff vermuteten.

Nach weiteren, schwer schaukelnden Stunden, sahen wir endlich Land. Wir fühlten uns wie einer, dem der Arzt eine fatale Krankheit vordiagnostizierte und nur noch ein paar Wochen versprechen konnte, jedoch die Krankenakte vertauscht hatte. Wir waren scheißglücklich! Nun, zum zweiten Male nach dem Schrecken, besannen wir uns unserer Schnapsflaschen, die im Boot herumkullerten. Urerst hatten wir sie auskippen wollen, um sie als SOS-Flaschenpöste abzuschicken. Wir entschieden uns letztendlich dagegen, weil uns bitterkalt war und noch kälter hätte werden können und ihr Inhalt uns Heizung hätte sein können. Außerdem, mit tiefster Trostlosigkeit gesprochen, hätten sie uns zu unserem Niedergang hin betäuben können, per Alkoholrausch und Schlag über den Kopf. Nun tranken wir sie mit gierigen Schlücken aus und prosteten uns, gewiss unserer Rettung, zu.

Wir gingen endlich an Land, schleppten das tapfere Schiff weit auf den Strand und uns in ein kleines Nest, das natürlich ziemlich weit von unserer Insel bzw. vom Hafenfährflecken entfernt war. Ein Bauer, der gerade aus dem Mittagsschlaf aufgewacht war, fuhr uns zur nächsten Bushaltestelle, während er teils erschüttert unserer Geschichte lauschte, teils, ob unserer klar detektierbaren Alkoholfahne, ungläubig. Warum befindet sich die Bushaltestelle eigentlich nicht im Dorf selbst, sondern mitten in der Walachei bzw. an einer Kreuzung in der Walachei? Ein Bus brachte uns zum Fährhafen, die letzte Fähre auf das Inselarchipel und ein geliehener Kahn auf unsere Insel zurück.

Es war mittlerweile Abend geworden. Zeit, sich zu betrinken und dann ins, später von Alpträumen geschüttelte, Bett zu sinken. Spät am nächsten Tag sagte der Wikinger, wir müssten nun das geborgte Boot returnieren und unsere wackere Motorschaluppe vom Strand in Nirgendwo abholen. Dummerweise haben wir während der paar Tage meines restlichen Urlaubs nie herausgefunden, wo genau wir eigentlich an Land gegangen sind und wo unsere getreue Edelstahlhochseejolle unserer Wiederkunft harrte.

Gefangen haben wir natürlich nichts, außer einer Mordserkältung.

Badbury Ich glaube nicht, wir hätten uns gestritten, wer die Kapitänsschapka tragen dürfe oder ich hätte sie ihm vom Kopfe gefegt und es dem Wind in die Schuhe geschoben. Keine Ahnung, welche Konsequenzen darus entstehen würden, ein U-Boot taucht auf Periskoptiefe und die Mütze hängt ihm über das Okular. Die können uns alle auf diesem Planeten vor Wut sonstwo hinschicken.

Restaurant Zipang - Hoheluft-West

Eppendorfer Weg 171, 20253 Hamburg

21-02-2010

Sacré bleu, der großnationalen hohen Küche Frankreichs scheint der Frosch im Halse stecken zu bleiben! Sie sieht rot, da ihre eigene gastronomische Bibel, der frevlerische Guide Michelin, heuer Tokio mehr Dreisternerestaurants als dem altvorderen Gourmet-Olymp an der Seine bescheinigt hat.

Die Tester des Reifengiganten, deren rotklappriger Führer gerade mal vor drei Jahren zum ersten Mal für Tokio herausgegeben ward, haben sich diesen Schritt hoffentlich reiflich und lange überlegt, sind in einen Bunker gezogen und fahren mit gepanzerten Limousinen und bis an les dents bewaffneten Bodyguards jeden Tag eine andere Strecke ins Hochsicherheitstraktbüro. Einer Nation wie Frankreich und Gastronomen wie den französischen sagt man nicht ohne Angstschweiß in der Pantalon und ohne Muffe auf Grundeis, dass sie nicht mehr die Besten sind.

Mein lukullischer Lieblingsplatz war von jeher auf und an einem Möbelstück in einem Etablissement französischer Kochkunst, verdammt noch mal, selbst wenn es nur Käse und Wein geben würde, wer könnte ihnen das Evian reichen? Auf den nächsten fünf Plätzen meiner persönlichen Gastro-Top-Ten liegen aber schon asiatische Küchennationen und die japanische hat nicht erst seit dem Besuch im Zipang, um endlich die Butter bei die Fische zu tun, den Coqs, Canards, Boefs, Coquilles St Jacques, Cuisses de Grenouille, Escargots, Foies Gras ganz gehörig Sake übers Chemisett geschüttet. Allein die künstlerisch hochwertige Drapierung der Speisen müsste alle Designnobelpreisoscars bekommen, wie auch den großen Danksagungs- und Ehrenpreis für das Lebenswerk der Schieferplattenhersteller.

Das einzig Negative vorweg, die Auswahl des Standortes am etwas unflotten Ende des Eppendorfer Weges kommt mir so verwegen und ein wenig deplaciert vor, als wenn ich eine Currywurstpapptellerbude in Harvestehude aufmachen wollte. Darob scheint es auch nur zur Mittagstischzeit etwas lebendiger zu sein, was unendlich schade ist und mir ein sehr böses Omen orakelt. Nicht ohne Grund lautet das britische oberste Businessgebot „Bums on seats“.

Usui –san, der Patron, hieß uns auf charmantester japanischer Weise in seinem kleinen und typisch minimalistischen Restaurant willkommen und kredenzte alsbald ein sechsgängiges Überraschungsmenü, das auf meiner „Pannenstatistik“ ganz nach oben schnellte, will heißen, ich habe selten einen Restaurantbesuch erlebt, bei dem mir alles pläsierte. Und das einzige, das meinem unglaublich verwöhnten Gaumen hier nicht ganz so enthusiasmierte, war der marinierte Lachs, der natürlich ob seiner Mariniertheit nicht so tau- bzw. fangfrisch goutierte, wie man es sonst in Hamburg gewohnt ist. Allerdings ist der Lachs wie ein Jack Russell Terrier, der kann so einiges vertragen. Ein zartbesaiteter Fisch hätte da schnell zum japanischen Edelfechteisen gegriffen und sich geschmackloserweise auf der Stelle exekutiert.

Da ich bereits als Kind behauptete, ich könne mich gut von Speiseeis allein ernähren, strahlten meine Augen wie eine Taschenlampe auf Speed, als ich zum Zwischengang ein Sorbet serviert bekam, das aus der japanischen Petersilie hergestellt war und leicht waldmeisterhaft schmeckte. Es war jedoch nicht von banaler geschmeidiger, adhäsiver Natur sondern bestand aus lockeren, sich nicht miteinander vermengenden Eisflocken, wie man sie auf den Wischerblättern seines gerade frisch frei gekratzten, wintrigen Automobils vorfindet.

Das Dessert gestaltete sich als eine, die meisten modernen Kunstwerke in den Schatten stellende, Wasabieiskugel in einer aus Zucker gefertigten, stilistischen Blume auf Schiefer. Hier gesellte sich ein großes Hallo zu uns, denn das Eis schmeckte vorne wie ein süßes Sahneeis und knallte uns hinten alle Sicherungen raus.

Das Matsumi thront sicher und fest als Tenno in der Innenstadt und in Eimsbüttel ist nun der Bug meiner kulinarischen Karavelle endlich nach langer Irrfahrt an den Strand geschubbert, an den Strand eines goldenes Landes. So hatte Marco Polo Japan im 13. Jahrhundert auf chinesisch benannt – Zipang. Hier werde ich mit der größten Vorfreude wieder festmachen, und das bei Weitem nicht nur, weil die Kellnerin so süß ist. Adieu oder zumindest à bientôt Haute Cuisine, moshi moshi la novelle cuisine japonaise!

Nachsatz mit Nachdruck: Kinners, geht da hin, aber lasst mir einen Tisch übrig!

Wolkenlos hömma, haste jut jemacht jung!

mostro Badbury fliegt wieder, wie schön!

Restaurant Amadée - Altona-Altstadt

Max Brauer Allee 80, 22765 Hamburg

26-11-2009 (atualizado em 02-12-2009)

Vorsicht, jetzt wird geätzt.

Nicht nur, weil ich einmal eine Freundin hatte, dessen zweiter Vorname Amadée war und wohl auch noch ist, wollte ich schon seit geraumer Zeit in Olaf Niemeiers neue Wirkungsstätte gehen, der uns alle im Fusion ja so unglaublich grandios bekocht hatte. Also schnappte ich mir letztens meinen Besuch und fuhr nach Dänemark.

Ein Parkplatz wurde in der ziemlich unanheimelnden Max-Brauer-Allee gefunden, und der eilige Fußweg durch Groß-Hamburgs Novemberniesel und an der Kammeroper vorbei verhieß mir schon ein böses Omen. Im Fenster des Bühnenhauses stand nämlich ein Fernsehgerät, das Bild und Ton einer von ihnen eingespielten italienischen Oper ins dunkle Altona hinausblärrte und offensichtlich hat deren Orchester nur eine Geige, die grässlich kratzend und verstimmt klang, während die gesamte Combo das Stück so runterdudelte, als ob sie eine Stunde früher Feierabend machen wollte, weil sie "Bauer sucht Frau" im TV nicht verpassen wollte. Schauderhaft!

Dann das Amadée, das die Einrichtung von verschiedenen, sich vorher an diesem Platz versuchten Restaurants übernahm. Ich weiß, dass viele die Räume als schön bezeichnen würden, aber ich finde sie SO achtziger Jahre, die sich übrigens auch in der Gestalt von Kondimentbröseln auf dem Tellerrand wiederfanden. Ich wählte den Raum mit dem durchaus kunstvoll gestalteten aber kitschigen Wandrelief (gab es hier mal ein italienisches Restaurant vor über zwanzig Jahren, das ein Äquivalent zu Plastikdrachen und -stuhlhussen von vielen nicht so guten chinesischen Esshäusern schaffen wollte?). Aber immer noch besser als die mit Putten übersäte Sahnetortenkalorienbombe von einer Zimmerdekorierung, wie in dem der Straße zugewandten Raum. Das bunte Linoleum, das, so ich mich erinnere, hier an dieser Stelle schon für das Laurent seine gut haftenden Dienste verdingte, schien sich in meinen Stuhl verliebt zu haben, ich wurde leichter verrückt als er.

Ich habe immer die Philosophie verfochten, dass das Essen wichtiger ist als die Lokalität. Als Beispiel führe ich gerne die Turnhalle in St. Georg an, die eine enorm gutaussehende Location ist. Punkt! Dem Amadée würde ich also alles bishergenannte verzeihen, sogar auch die Musik des Kammeroperfernsehers. Und nun das, Herr Niemeier arbeitet nicht mehr im Amadée, warum wusste man nicht zu sagen! Das kann ja heiter werden, dachte ich ich mir.

Nun bin, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, ich zwar nicht der größte Liebhaber von österreichischen Weinen, aber der Alpenbundesrepublik Speisen bin ich doch recht angetan. Vor allem der Apfelstrudel mit heißer Vanillesoße ist eines meiner Lieblingsdesserts, den habe ich das letzte Mal vor zehn Jahren gegessen. Also überblatterte ich gleich ein paar Seiten im gut übersichtlichen Menü, nur um festzustellen, dass auch die hiesige Küche ihn nicht hergibt.

Fadheit ist ein Wort, das nicht mehr allzu oft in unserem verarmten Sprachschatz funkelt, aber die vier Gänge, die sich alsbald vor mir auftaten und durchaus adrett aussahen, waren wie das Catering zur Renaissancefeier dieses Attributs. Der strategisch platzierte, weil in der von allen gut und schnell erreichbaren Tischmitte befindliche, kleine Salzstreuer hätte mich eigentlich schon vorwarnen müssen. Ein Koch, der so von sich nicht überzeugt zu sein scheint, dass er den Gästen sagt, mein Essen wird Euch vielleicht nicht schmecken, aber Ihr könnt ja immerhin nachsalzen, ist in einem Restaurant, welches das Diesige sein möchte und könnte, fehl am Platz. Und wem dieser letzte Satz nicht zusagt, weil er zuwenig Kommas aufweist, kann sich gerne noch ein paar nehmen (,,,,). Schade, dass er nicht noch eine Tube Löwensenf für mein nicht auf den Geschmackspunkt gebratenes Schnitzel auf den Tisch hat legen lassen. Vielleicht war ja meine Zunge nicht ganz sie selbst, aber das einzige, das von ihr nicht griesgrämig verrissen wurde, war der Kräuterquark, der zu Beginn zu einem Brot von sehr guter Konsistenz aber mittelmäßiger Geschmackskonvenienz gereicht wurde.

Die sehr freundliche Servicekraft war leider auch nicht ganz sattelfest, der Wein wurde erst kredenzt, als wir Hungrigen schon die Hälfte der Vorspeise verkonsumiert hatten. Ich habe mir auch kein Bein gebrochen, uns selbst Wasser nachzuschenken. Das Essen wurde jedoch zügig an den Tisch gebracht, was natürlich durch den Faktor begünstigt war, dass nur wenig Gäste zugegen waren.

Auf der hübsch nieselnassglänzenden Terrasse ein, zwei Zigaretten zu rauchen, war bedauerlicherweise der Höhepunkt des Abends, da die schmucke weihnachtliche Illuminierung des benachbarten Kammeroperhinterhofes mir in mein ach so hartes Herz schien, auch wenn ich zuerst, mit meinem Rundumschlag fortfahrend, bitterböse und fälschlicherweise "Las Vegas für Arme" unter meinen Tabakwolken stichelte.

Ich finde es schade, dass Hamburg kein grandioses österreichisches Restaurant aufzubieten hat. Vom Amadée, mit seinen Genen bzw. Dekorationsvorbesitzern, hatte ich ersehnt, dass sie es mir würden. Jetzt hoffe ich nur, dass sie sich doch noch am eigenen bekochmützten Schopf aus dem eingebrockten Schlamassel ziehen können und dass ich bald einmal wiederkommen und gut essen kann. Sonst, fürchte ich, ist es in ein paar Monaten um sie geschehen und das wünsche ich niemanden. Wollen wir hoffen, das Amadées Name bald nicht nur "Von Gott geliebt" bedeutet, sondern auch von Hamburg.

Ach, und dann musste ich wieder am Fernsehapparat der Kammeroper vorbei. Schauderhaft!

Badbury Liebe Freunde, wäre es nicht schlimm, wären wir alle der gleichen Meinung?

Pestoboyz und Derole, lasst Euch also das Amadée nicht vermiesen, ich habe nur gesagt, wie ICH es finde. Ich bin kein professioneller Zeitungsschreiber noch -kritiker (mehr). Was ich sage, gilt nicht für die ganze Welt, ich habe nur meine ureigene Meinung kundgetan, ich bin ja kein Boutros Boutros Ghali oder sonstwer.

Hotzenplotz, Du mein Paladin, danke Dir für Deinen Schlichtungsversuch.

So gehabt Euch alle wohl, geht von dannen und nähret Euch. Frohe Ostern.

Laudongasse Was für ein grausiges Geschwafel.

neuhaus - Createur chocolatier - Neustadt

Neuer Wall, 20095 Hamburg

21-11-2009

Es ist allseitig bekannt, dass man mit Schokolade bessere Chancen bei Frauen hat als zum Beispiel mit Rollmöpsen. Herr Neuhaus, der die Praline an sich erfunden hat, hieß darob auch Casanova, bevor er sich der deutschen Übersetzung seines Namens bedient hat.

Ich war eines Abends geladen, die Neuhausschen Pralinen mit korrespondierenden Weinen zu verkosten, und da ich schon längst, durch freudig erhaltene Mitbringsel einer belgischen Dame, eine Ecke meines Genießerherzens an sie (an Neuhaus) verloren habe, bin ich hochgestimmt gen Neuen Wall gepilgert. Nicht ohne in meinem Gehirn die Frage "Schokolade und Wein, geht das überhaupt?" wie ein Kinderüberraschungsei im leeren Laderaum eines schnell durch enge Kurven fahrenden Kleintransporters herumzukollern.

Natürlich habe ich schon mehr edelschokoladige Desserts mit Wein degustiert, als den wunden Fingern meines Schneiders lieb ist, aber Pralinen selbst konnte ich mir damit nicht recht vorstellen.

Ich mache es kurz, meine Lieblingspraline, die Grand Place, zusammen mit dem Elysium Black Muscat der Quady Winery, war ein orgiastisch-orgasmisches Smorgasbord, das meine Geschmacksknospen in die schönsten, farbenfrohesten, bei der Chelsea Flower Show mit allerhand grandiosen Preisen überhäuften Blüten explodieren ließ.

Danach habe ich das Äquivalent scheinbar mehrerer Monatseinkommen in Pralinen und Wein eingetauscht und meine Arme beim Nachhausetragen der Beute ausgeleiert. Macht nichts, es klappte mit der Frau und die konnte mich füttern.

Ich möchte nicht mit Ihnen in Baden-Baden baden, sondern Sie lieber in einen Schokoladenladen laden!

6Kraska6 The BBC apologizes for disappointing the honorable audience.

Badbury Tun wir doch so, als hätten wir nichts bemerkt.

Da Remo Restaurant - Hoheluft-Ost

Hegestrasse 12, 20251 Hamburg

21-11-2009

Konservierte Ölsardinen würden sich vor ihre Dosen wie vor Schlitten spannen und zuhauf hierher kommen, wenn sie könnten, denn bei Remo würden sie sich wie ein Fisch in der Elbe fühlen. Zumindest in der Elbe, die sie vor hundert Jahren war, als das Sprichwort gemünzt wurde.

Es ist verdammt eng hier, was Da Remo einerseits unglaublich heimelig macht, andererseits aber auch abschrecken kann.

Ich selbst, mit meinen mehr oder minder schweren misanthropischen Anfällen, komme gern hierher, um ihre Calamaretti abzuholen - nein, das ist nicht die hübsche Kellnerin - und bei mir zu Hause zu verspeisen. Hach, diese Calamaretti, die wundervoll kräftig gegrillt sind, so als ob jemand eine Hexe verbrennen wollte und es würde ihm noch rechtzeitig einfallen, dass sie ihm Geld schuldet und eben jenes noch in ihren Rockfalten trägt. Oder wie James Bond in Diamonds Are Forever.

Oder ich treffe mich hier mit jemandem, esse, bevor wir zu mir ums Eck nach Hause schlendern, Calamaretti und fühle mich geborgen wie ein Pendler in der Tokyoter U-Bahn, den ein weiß behandschuhter Oshiya (People Pusher) in einen weichen, warmen, wohlduftenden und wogenden Busen drückt...

Entschuldigung, ich war gedanklich kurz abwesend. Und dann kommt Remo an den Tisch, erzählt ein bißchen, von seinem Großvater zum Beispiel, der ihm viele kluge Sinnsprüche auf den Weg gegeben hat, die auch ich mittlerweile anwende. Herrlich.

Badbury Lieber Herr Scipio, ich danke Ihnen für Ihre Begeisterungsfähigkeit, jedoch bin ich weder Meisterkoch noch Koch, Herr Hotzplotz ist das ganz alleine, ich bin NUR Meister in allen anderen Dingen, hihi... nee, malen kann ich auch nicht.

hotzenplotz Muss leider erstmal weg, Feuer machen. Bis später.

das weisse haus - Altona

Neumühlen 50, etwas hinter dem Deich gelegen, 22763 Hamburg

08-07-2007 (atualizado em 27-08-2009)

Und ich dachte, ich hätte den “Point of No Return” weit hinter mich gebracht, aber da ich danach strebe, fair zu handeln und zu entscheiden, und da der Mälzer-Tim nicht mehr im Weißen zu Haus ist, bin ich wiedergekehrt.

Sie müssen wissen, ich liebe Övelgönne, dieses zuckersüße alte Kapitäns- und stille Lotsenörtchen. War ich hier nicht oft und blickte dann und wann traurig zum Weißen Haus hinter den Deich und dachte mir, wenn die nun auch noch großartig wären, dieser Flecken wäre mir Paradiesen gleich?

Nun also sind sie es! Wahrlich großartig! Ich saß gestern im Schatten des Apfelbaumes und ließ in meinem Rücken den wundersam lauen Sommerabend zur linden Nacht sich wandeln und große lichterbefunkelte Frachter vorbei ziehen und speiste auf’s Vorzüglichste.

Im seltensten Falle habe ich in meinem kulinarisch zwar verwöhnten, jedoch auch oft enttäuschten Leben ein Menü genossen, dessen sämtliche Gänge mich vollends verzückt haben. Selbst im Tafelhaus hatte der Hauptgang mich einst aus Elysiums Tochter Busen gerissen, in den mich die Vorspeise gedrückt hatte.

Hier nun, im Weißen Haus, war der gebackene Thunfischtartar ungemein geschmackspyrotechnisch, das Rinderfilet mit Schokoladen-Chili-Schalotten (nur ein Hauch schokoladig und chillig) war biblisch gut und die hymnische Schokoladen-Crême Brûlée trieb mir mit ihrem dazugereichten Bread-and-butter-pudding-Speiseeis die Heimwehtränen in die Augen.

Alles ist vergessen, alles ist verziehen und wenn die so weiter machen, zumal der Service sehr gut war und der Chef, Herr Senkel, ein sehr freundlicher Mensch ist, werden sie noch mein Drittlieblingsrestaurant. Ja, ich glaube es fast selber nicht!

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Alter Beitrag vom 8.7.07: Von Benito Juarez, dem ersten Präsidenten Mexikos, stammt der berühmte Ausspruch: Respekt vor dem Recht des Anderen bedeutet Frieden. Ich halte mich für einen Menschen, der Höflichkeit als eines der höchsten Güter preist und dieser Maxime gemäss handelt und lebt; ich sage, ich habe Respekt vor der Meinung anderer. Niemals möchte ich in meinem Leben andere durch Aussagen von mir verletzen! Ich möchte niemanden mit meinen negativen Kritiken beeinflussen (es sei denn, ich warne ausdrücklich), nur mit den positiven. Deswegen bitte ich alle, die Das Weisse Haus lieben, NICHT weiterzulesen!

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Ich will mich einfach nicht mehr daran erinnern wollen, wie schlecht der letzte Abend im Weissen Haus war! Punktum.

Schnuppidu So mach ich es! Euch noch einen schönen Mittwoch.

FrauMüller whoww, herrlich geschrieben lieber Badbury, läuft mir doch das Wasser im Munde…. und zum Glück habe ich noch etwas Leckeres im Kühlschrank, da werde ich doch gleich und bei meinem wohl noch in weiter Ferne “schlummerndem” nächsten Hamburg-Aufenthalt möchte ich gerne mit Dir dort speisen- herzliche Grüsse aus dem WildenSüden, Elke

Gebr. Jürgens - Rotherbaum

Mittelweg 125, 20148 Hamburg

21-03-2009

So Kinners, die Geschichtsbücher heraus! Heute das Jahr 1889:

Der Eiffelturm, das für die nächsten 41 Jahre höchste Gebäude der Welt, wird für das Publikum freigegeben. Ebenso in Paris, das Moulin Rouge öffnet seine Pforten.
Der Kilimandscharo wird durch den Leipziger Geografen Hans Meyer und seinem österreichischen „Tenzing Norgay“ Ludwig Purtscheller zum ersten Mal bestiegen.
Gustav Mahler schreibt seine erste Sinfonie. Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky wird geboren sowie der große Diktator und Weltfriedenspreisträger Charlie Chaplin und der Postkartenmaler Adolf Hitler (Nichtfriedensnobelpreisträger).
Im Staate New York wird der elektrische Stuhl eingeführt.
Die Paare Kronprinz Rudolf von Österreich und Baroness Mary von Vetsera in Mayerling sowie, nachdem sie einen Picknickkorb gepackt haben, die dänische Seiltänzerin Elvira Madigan und der schwedische Leutnant Sixten Sparre in Nørreskov begehen den Tristan-und-Isoldschen Liebestod.
Die Firma Nintendo wird in Kyōto gegründet, um Spielkarten zu produzieren.
Lady Olave Baden-Powell wird geboren, die Begründerin der Girl Guides (weibliche Pfadfinder) und Preston North End wird der Welt erster Fußballmeister.

Ach ja, und in Hamburg wird das Fach- und mein Lieblingsgeschäft Gebrüder Jürgens eröffnet. Hier ging ich letztens hin, um mir einen Le Creuset-Milchtopf zu kaufen, ich blieb eine dreiviertel Stunde, plauschte mit den unglaublich sympathischen, freundlichen und alleswissenden Herrschaften dort aufs Genüsslichste, wobei nach Milchtöpfen aller Couleur wir uns über Messer verbal verlustierten.

So sprachen wir vortrefflichst über Laguiole-Messer, diesen berühmten Messern aus der Aveyron-Region in la belle France. Deren markante Merkmale sind die, vermutlich von Napoleon an die Einwohner ob deren Tapferkeit verliehene, Biene auf der Feder und das aus feinen Nägeln geformte Kreuz, das den Cowboys… äh Hirten dieser sehr katholischen Gegend früher, die tagelang ihr Vieh über die Berge treiben mussten, als Kirchenersatz diente, in dem sie es in ihr Brot steckten und anbeten konnten. Außerdem sind sie sauscharf.

Dummerweise bin ich gegangen ohne bemilchtopft zu sein oder irgend etwas anderes gekauft zu haben, aber mental habe ich deren komplettes Angebot in meine heimischen Küchenschränke gezwängt.

Hier gibt es alles von Eierbechern bis … hier gibt es ALLES! Der junge Herr, der hier den Staub von Regalen und Kochtöpfen und Toastern und Geschirr aller Art wischt, hat wohl das perfekte Perpetuum mobile entdeckt: Wenn er hinten fertig ist, kann er vorne wieder anfangen.

Meine herzlichsten Glückwünsche zum 120. Geburtstag.

mostro Le Creuset - wie immer sehr sympathisch!

FrauMüller zum Glück wohne ich nicht in Hamburg- hätte sicherlich noch einiges gefunden, was in meiner ohnehin schon gut ausgestatteten Küche fehlt !
Aus solch Paradiesen unbetopft und ungekauft herausgehen…. boahh, welch Disziplin ! -oder warst Du nur “geplättet” und daher zwar nicht sprach- aber kauflos ??
Herzliche Grüsse, Elke

Strand - Hamburgo

Ostsee, Hamburg

02-11-2008

Der Schwan am Strande

Eines Sommers saß ich einst, in tiefer Betrachtung des abendlichen Meeres versunken, am Ostseestrande. Friedliche Wellen schwappten sanft heran, auf den Buhnen ruhten nun schweigend schon die Möwen, die letzten zwei Sommerfrischler lustwandelten eben noch durch die Dämmerstunde, ein Paar umschlang sich eng irgendwo hoch oben in den Dünen, und drei schläfrige Fischkutter lagen hier an Land gezogen, tiefe Sandfurchen Ihrer See zustreckend.

Plötzlich trat ein Schwan heran, gemächlich und herrschaftlich schritt er die Gestade entlang und wog wohl ab, ob er seinen Po dem großen Wasser angedeihen lassen sollte. Er blieb ein Weilchen stehen und betrachtete wie ich die milde, in sich ruhende See. Dann, sehr langsam, drehte er sich um, musterte mich kurz, wünschte einen schönen Abend und ging den Strand hinan von dannen.

mostro Nettes Tier für Dir.

CatCat Schöööön!

Cölln's Restaurant - Altstadt

Brodschrangen 1 - 5, 20457 Hamburg

11-09-2008

Kaum ein Wort klingt für einen Hamburger, egal ob Ureinwohner oder Quiddje, so gut, so heimelig wie der Begriff “Hamburgensie”. Zu einer solchen, ursprünglich wohl die Bezeichnung für Bilder, die Hamburgs Straßenstriche… äh, städtische Gegenden und Stadtleben darstellten bzw. widerspiegelten, wurden auch Persönlichkeiten und mittlerweile alles andere, was typisch hamburgisch ist.

Eine Hamburgensie, und vielleicht hat wirklich keine andere Stadt solch Ehrenwort, ist etwas, das uns an unsere Schöne erinnert, das uns immer wieder das Geständnis entlockt, wie sehr wir diese Perle lieben, und das uns wonniglich macht, an Alster und Elbe zu leben. Und, da ich ja ein alter Romantiker bin, eine Hamburgensie ist damit vielleicht auch wie der Pullover, den eine innig geliebte Frau in unserer Wohnung liegen gelassen hat.

Cölln’s am Brodschrangen, im Schatten unseres Rathauspalastes, ist so eine Hamburgensie, inmitten diesem altstädtischen Gewirr von Gässchen, deren urhamburger Namen meist länger sind als sie selbst, so dass sie auf den meisten Stadtplänen nur als Nummer angeführt werden, deren Legende dann im papiernen Alsterblau in der Nähe abgedruckt ist.

Da, ich sage es nochmal: Cölln’s ist so eine Hamburgensie, war es schon immer und wird es hoffentlich immer bleiben. Und wie schreibt der erneute Besitzer, Herr Urmersbach, so schön: ”...vor über 175 Jahren von dem Hamburger Fischhändler Johann Cölln eröffnet, begleitet das Restaurant die Zeitläufe der Stadt und seiner Menschen bis zum heutigen Tage.” Es war eines der ersten Häuser hier, das einen Stern erkochte, es war in Notzeiten ein berühmtes “Schieberlokal”, in dem man seine Kartoffeln oder Fische gegen edle Weinbrände tauschen konnte, hier speisten einst Heine, Bismarck, Zaren, Kaiser, die Flut 62, Albers und ich letztens.

Das Cölln’s ist definitiv, ohne jeden Zweifelshauch, das schönste oder zumindest eines der schönsten Restaurants dieser schönsten aller Städte. Jedem Nicht-Hamburger entfährt beim Betreten des Souterrains und somit der ersten der vielen guten Stuben des Hauses garantiert ein unhanseatisches “Wow”, wir hier schmunzeln und kriegen glasige Augen beim Anblick des Entrées. Ein Spaziergang, den ausgestreckten Flur entlang, führt an verschiedenen kleinen und äußerst lauschigen und anheimelnden und kerzenbeschienenen Gasträumen oder Séparées vorbei und erinnert mich irgendwie an eine abendliche U-Bahnfahrt mit der U 3 die Isestraße hinan.

Ich gebe es frank und frei zu, einer zu sein, der nur sehr schwer zufrieden zu stellen ist, ich bin für diese Welt zu anspruchsvoll und mir wurde schon oft bescheinigt, dass ich formvollendet mäkeln kann. Auch hier war ich vom Essen und Service … nun ja, nicht völlig angetan, aber ich werde nie und nimmer, wenn ich nicht gezwungen werde, etwas Schlechtes über das Cölln’s sagen. Auch die etwaigen kippeligen oder knarzenden schönen alten Lederstühle fand ich hier nicht störend.

Im Gegenteil, “Der berühmte Cölln’s Apfelkuchen” mit Vanilleeis war hervorragend und die dazu gereichten Apfelstücke in Calvados ein wahres Gedicht. Die Frau Ober… äh Oberkellnerin, also die Chef de rang zeigte uns, weil wir ihr so sympathisch waren und so interessiert dreinblickten, noch die Belle Étage mit all ihren wundervollen und prächtigen Salons, die Treffpunkte von Reedereien und Bankhäusern sind, deren Namen auf Messingplaketten an den Türen prangen oder deren Wappen auf den Sitzkissen eingestickt sind. Diese kann man übrigens trefflichst für kleine Feiern und Orgien, je nach Fasson, mieten.

Nur - frage ich mich - nur warum ist Cölln’s an einem Hamburger Samstagabend um acht Uhr halb leer? Das Plat-du-Jour gegenüber ist gerammelt voll, das Café Paris sowieso und selbst das Parlament, warum dann Cölln’s nicht? An diesem Abend soll es mir recht gewesen sein. Wir saßen allein in unserem Séparée und letztlich ist Cölln’s nicht nur eines der schönsten sondern auch eines der romantischsten Restaurants Hamburgs. Und eine wahre Hamburgensie.

Bukholst Sehr schöne Kritik, vielen Dank. Aber bei der Formulierung

"an einem Hamburger Samstagabend"

sträuben sich mir die Haare. Dieser Tag heißt bei uns Sonnabend, Samstag geht gar nicht und wird nur Quiddjes verziehen. ;-)

Badbury Lieber Bukholst, wie recht Sie doch haben! Aber ich habe mich auch gesträubt, nämlich "an einem Hamburger Sonnabenabend" zu schreiben. Dennoch, meine Entschuldigung an Sie und Ihre Haare. Pfüat di und tüdelüt Badbury

Ristorante Portonovo - Rotherbaum

Alsterufer 2, 20354 Hamburg

22-08-2008

Es ist sehr schade, wenn man sich zu Schiff über den großen Teich begibt, die Gestade der Alten Welt hinter sich lässt, um neue Ufer zu erreichen, einen neuen Hafen zu finden, von dem man sich so viel erhofft, der dann doch nicht viel besser ist, als der alte. Same difference, sozusagen. (Zumindest, was das Essen angeht.)

Ich war nie ein großer Freund Paolinos, des Restaurants, das hier vorher am Steg festmachte. Dennoch, ich liebte es, hier zu sitzen und während des Dinners durch Paolinos große Fensterscheiben zu blicken und einen Anblick zu erblicken, der mich an den gewaltigsten meines Lebens erinnerte:

Ich saß damals im Tea Room in Lochranza im Norden der Isle of Arran in Schottland. Es war später September, sehr, sehr stürmisch und der letzte Tag der Caledonian-MacBrayne-Sommerfährverbindung nach der Nachbar(halb)insel Kintyre, die ob des hiesigen widrigen und schweren Wetters bald in den langen Winterschlaf gehen würde.

Auf dem Slipway, also die Straße, die IN’S Meer führt, standen einige Kraftwagen und warteten auf die Fähre. Diese kam, ein altes offenes, schwarz-weißes Stahlschiff, eher wie ein D-Day-Landungsboot aussehend, mit großer Klappe. Sie würde wie jeden Tag anlegen, seine Laderampe auf den Slipway herunterklappen, aber nicht festgezurrt werden, da es keine Poller hierfür gibt, währenddessen der Steuermann gegen die Strömung und die Wellen des Meeres, das in diese scherenförmige und mit dem Lochranza Castle bewehrte Bucht sich drängt, steuert und mit der Maschine rudert.

An jenem Tage allerdings war es besonders stürmisch, die hohe See riss sie immer wieder vom Slipway und so konnte sie nur für sehr kurze Zeit anlegen und jeweils nur ein Auto auf die Fähre fahren. Die Klappe wurde dann immer wieder angehoben, das Schiff versuchte angestrengt wieder an Land zu kommen, Klappe wieder runter, nächstes Auto rauf und wieder weggerissen. Währenddessen stand ein beinharter Schotte, ein mit allen Wettern gewaschener und von allen Winden gegerbter Seebär, mit Ölzeug, Schafwollrollkragenpullover und Südwester angetan auf der ständig hoch- und runtergefahrenen und von Wellenbrechern und Windgetöse umbrodelten Klappe und schrie den Autofahrern zu, wann sie in einem Wellental auf die Fähre und damit hinter die schützende Bordwand brettern konnten.

Dann kam, was kommen musste, der letze Wagen war ein kleiner Mini, dessen Fahrerin nicht aufpasste und auf der Rampe stecken blieb, schon kam der nächste Brecher, der den Mini völlig verschluckte und halb querstehend, leicht lädiert und frisch gewaschen und mit Algenzeugs garniert wieder preisgab. Alle liefen hin, auch ich, um dem Freibeuterkapitän der Klappe zu helfen, den Mini mit vereinten und verzweifelten Kräften gerade zu schieben, so dass er an Bord gehievt werden konnte.

Ich glaube, ich war noch nie so nass in meinem Leben und noch nie so froh, wieder im zwar umtösten, aber ruhigen Tea Room anzugelangen. Wir alle bekamen sogleich eine wärmende Tasse Tees geschenkt, während die Fähre alle Schotten dicht machte (hihi, haha) und sich über den Kilbrannan Sound, diesen des Teufels Tanzboden, nach Claonaig auf Kintyre kämpfte.

Was wollte ich eigentlich sagen… Ah ja, das Paolino, ich saß hier einmal während eines arg gewittrigen Abends, der Regen peitschte an die herrlich großen Fensterscheiben während draußen, auf der Alster, die letzten tollkühnen und todesmutigen Segler durch das Zwielicht und das aufgewühlte Wasser zum Steg sich tasteten, dann sich trotz des furchtbaren Wetters Zeit nehmen mussten, um ihre Boote ordentlich zu verstauen und ihre Segel zu falten.

Dieser Ausblick also war mir immer ein wundervoller, weit besser, als das Essen und der Service im alten, im März diesen Jahres entpachteten Paolino und Grund, trotzdem wieder und wieder mein bildlich gesprochenes Boot hier für einen Abend zu vertäuen.

Das Porto Novo ist mir nun noch lieber, denn die Einrichtung ist weitaus hübscher, auf der schönen Terrasse, deren Licht sie aber vergaßen, anzuschalten, kann man nun auch auf Reede liegen und herrlich mit dem Schornstein qualmen und der Service ist nicht nur viel freundlicher, er ist nämlich im Gegensatz zu früher freundlich, und sie haben ein grandioses schwarzes Gold auf dem Tische stehen, ein sehr altes Aceto Balsamico.

Dass das Essen immer noch nicht wirklich überragend ist, kann ich verkraften.

(Ein paar Fotos zur Illustrierung und Erleuchtung habe ich beigefügt)

Badbury Also kann man gut trösten und Melancholien wegzaubern. Du weisst ja auch gar nüscht. Und wenn Du keine Mädels an den Häfen hast, was ich Dir bei Weitem nicht glaube, was hast Du dann dort? Schiffsjungs oder Rent-Boys bestimmt nicht.

6Kraska6 Hier lohnt das ganze Spotten nicht,
der Wirt, der macht die Schotten dicht.